Crowdsourcing als Geschäftsmodell

Crowdsourcing als Geschäftsmodell – 55 Geschäftsmodelle erklärt

Crowdsourcing – Das Muster

Bei dem Geschäftsmodell Crowdsourcing handelt es sich analog zu Crowdfunding um einen Neologismus, welcher sich in diesem Fall aus den Wörtern „Crowd“ (zu dt. Menschenmenge) und „Outsourcing“ (zu dt. Auslagern) zusammensetzt. In Form eines Musters ist mit Crowdsourcing das Auslagern bestimmter Aufgaben an externe Akteure gemeint. Diese erfahren von der Aufgabe typischerweise in Form einer Ausschreibung. Mit Crowdsourcing wird das Ziel verfolgt, den eigenen Innovations- und Wissenshorizont zu erweitern und hierdurch das Entwickeln einer kostengünstigeren und effektiveren Problemlösung zu ermöglichen. Gegenstand von Crowdsourcing können dabei eine Reihe von unterschiedlichen Aufgabenstellungen, wie zum Beispiel das Generieren von innovativen Ideen oder das Lösen einer bestimmten Problemstellung, sein.
Des Weiteren ist Crowdsourcing dazu geeignet, mehr über die Wünsche der Kunden zu erfahren sowie deren Präferenzen für zukünftige Produkte besser abschätzen zu können. Die Motive der „Crowd“, sich an einer Crowdsourcing-Ausschreibung zu beteiligen, können dabei sowohl extrinsischer als auch intrinsischer Natur sein. Während einige Unternehmen der Crowd für ihre Unterstützung eine monetäre Entlohnung anbieten, setzen andere vor allem auf ihre Loyalität zum Unternehmen oder ihr persönliches Interesse am Gegenstand der Ausschreibung als solches.

Crowdsourcing – Der Ursprung

Auch wenn der Begriff Crowdsourcing erst im Jahr 2006 durch Jeff Howe vom Wired Magazine geprägt wurde, reicht das Muster in der Geschichte um einiges weiter zurück. Ein historisches Anwendungsbeispiel ist der sogenannte „gordische Knoten“. Hierbei handelt es sich um eine geschichtlich überlieferte Prophezeiung aus der Antike, nach der nur demjenigen die Herrschaft über Persien gelingen würde, der es schaffen würde, den Knoten am Streitwagen des Königs Gordius zu lösen. Nachdem sich etliche an dieser Aufgabe versucht hatten, gelang es – so lautet zumindest die Überlieferung – Alexander dem Großen diese Aufgabe zu lösen, indem er den Knoten im Vorbeigehen zerschlug.
Ein weiteres historisches Beispiel für Crowdsourcing stellt der „Longitudinal Act“ aus dem Jahr 1714 dar. Es handelt sich hierbei um eine öffentliche Ausschreibung der britischen Regierung in Höhe von 20 000 Pfund, welche der Erfindung einer praktikablen Methode für die Bestimmung des Längengrads gewidmet war. Hintergrund für die Ausschreibung bildete die Problematik, dass seinerzeit mit einem Kompass zwar der Breiten-, nicht jedoch der Längengrad bestimmt werden konnte. Hierdurch gerieten viele Seefahrer in Seenot oder mussten unnötige Umwege auf sich nehmen. Als Sieger dieser Ausschreibung ging 1773 der Brite John Harrison hervor, welcher die Präzisionsuhr erfand und somit zur Lösung dieses jahrzehntealten Problems beitragen konnte.
Auch wenn das Crowdsourcing-Muster somit nicht neu ist, besteht zwischen dem Crowdsourcing von früher und dem Crowdsourcing von heute ein signifikanter Unterschied. So wurde eine Aufgabe früher primär mündlich mitgeteilt oder in Zeitungen ausgeschrieben, wodurch sie nur einem begrenzten Publikum zugänglich gemacht werden konnte. Heute erfolgt die Ausschreibung in aller Regel webbasiert, wodurch sie eine enorme Reichweite erzielen kann.

Crowdsourcing – Die Innovatoren

In den vergangenen Jahren erfuhr Crowdsourcing, insbesondere durch das Aufkommen des Internets und der damit exponentiell gestiegenen Möglichkeit zur Vernetzung von Akteuren, neuen Auftrieb. Ein Beispiel für das webbasierte Crowdsourcing ist das im Jahr 2000 gegründete Chicagoer Unternehmen ThreadlessThreadless lässt auf seiner Plattform Kunden über T-Shirt-Designs abstimmen, welche von Designern aus der ganzen Welt eingereicht werden. Das T-Shirt, welches die meisten Votings erhält, wird im Anschluss von Threadless produziert und verkauft. Auf diese Weise bringt Threadless jede Woche drei bis vier neue T-Shirts heraus, welche sich in der Regel sehr gut verkaufen.
Das US-Unternehmen Cisco wuchs in den vergangenen 25 Jahren vor allem über Akquisitionen und holte sich damit auch Innovationen ins Unternehmen. Damit überholte Cisco bezüglich Innovationsleistung sogar die Bell-Labs, das damals größte Forschungslabor der Welt. Cisco setzt im Rahmen seiner Open-Innovation-Strategie regelmäßig Crowdsourcing als zentrales Element ein, um neue Ideen zu akquirieren. Crowdsourcing-Wettbewerbe finden dort seit 2007 statt und zielen auf junge Innovatoren ab. 2010 wurden an einem solchen Wettbewerb 2500 Ideen aus 104 Ländern auf den Ideen-Blog gestellt. 450 der Innovatoren wurden eingeladen, eine Kurzvorstellung von wenigen Minuten mittels der Webinarplattform Webex durchzuführen. Davon wurden zwölf Teilnehmer zu einer Telepräsentation vor dem oberen Management von Cisco eingeladen. Die finale Gewinnerin Anna Gossen  – eine Informatikstudentin der TU Karlsruhe  –
erhielt ein Preisgeld von 250 000 US-Dollar. Cisco investierte zehn Millionen US-Dollar in die Gewinneridee, woraus eine neue Business-Unit zur Energieeffizienz entstand.
Ein weiteres Beispiel für einen erfolgreichen Crowdsourcing-Innovator stellt der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble dar. Das Unternehmen befand sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer ernsthaften Krise, da es einerseits mit stagnierenden Umsatzzahlen und andererseits mit steigenden F & E-Kosten zu kämpfen hatte. Um sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, wurde die Crowdsourcing-Initiative „Connect +Develop“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Initiative wurde die Vorgabe für den Anteil an externen Ideen von 15 auf 50 Prozent angehoben. Um diese Vorgabe erreichen zu können, wurde ein umfassendes Netzwerk an externen Partnerschaften geschaffen, welches Procters 9000 Forscher mit über 1,5 Millionen Wissenschaftlern aus aller Welt vernetzt. Durch die Connect+Develop-Initiative gelang es Procter & Gamble, die Produktivität seiner Entwicklungsabteilung innerhalb von nur fünf Jahren um über 60 Prozent zu steigern.
Ein Unternehmen, welches sich ganz auf das Vermitteln von Unternehmen und Crowd spezialisiert hat, ist die Crowdsourcing-Plattform InnoCentive. Das Geschäftsmodell von InnoCentive besteht darin, eher technisch-naturwissenschaftliche Probleme von Unternehmen und Organisationen zu lösen, indem es diese mit einer entsprechenden
problemlösenden Crowd zusammenbringt. Die Crowd besteht überwiegend aus hochkarätigen Fachkräften und Experten, welche mit einem Preisgeld in Höhe von typischerweise mehreren Hunderttausend US-Dollar zum Mitmachen animiert werden sollen. Um die Firmengeheimnisse des ausschreibenden Unternehmens nicht zu gefährden, erfolgt die Ausschreibung in der Regel auf anonymisierter Basis. Mit dieser Art Konzept gilt InnoCentive nicht nur als Pionier im Bereich der Intermediär-Plattformen, sondern auch als eines der erfolgreichsten Crowdsourcing-Unternehmen. So können auf InnoCentive häufig Probleme gelöst werden, an denen die Unternehmen zuvor gescheitert waren.
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