Hackathon – Wo Innovationen entstehen

Der Hackathon ist eine der beliebtesten und stärksten Techniken zur Problemlösung des letzten Jahrzehnts. Aber was ist das eigentlich genau , wie läuft so etwas ab und was braucht man dafür?

Definition: Was ist ein Hackathon?

Das Wort Hackathon ist eine Zusammensetzung zweier Wörter: “hack” bezieht sich auf das englische Wort für “tüfteln”. Der zweite Teil der Wortschöpfung bezieht sich auf “Marathon”, also die olympische Disziplin, bei welcher die Läufer auf einer Strecke von 42,195 km Ausdauer und Durchhaltevermögen beweisen müssen.

Wer allerdings nun bei dem Wortbestandteil “hacken” an Cyberkriminalität denkt, liegt falsch; die Hacker sind hier vielmehr als Tüftler und kreative Köpfe zu sehen, die binnen kurzer Zeit innovative Lösungen suchen bzw. eben funktionsfähige Prototypen bauen.

Der zweite Teil (“Marathon”) bezieht sich auf den zeitlichen Aufbau des Hackathons. Klassischerweise dauert dieser zwischen 24 und 48 Stunden, in dieser Zeit arbeiten die Teams zeitlich äußerst intensiv und ausdauernd zusammen an der Lösung einer Aufgabe.

Warum sind Hackathons so gefragt?

In den 1960er Jahren entstand die Hacker-Kultur, verantwortlich dafür waren die ersten Hacker. Diese waren Mitglieder des Tech Model Railroad Club beim MIT (Massachusetts Institute of Technology). Die Gruppierung war überzeugt davon, dass das Programmieren ein Handwerk ist, kein Hobby oder Beruf. Es herrschte ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl in den Projekten: Alle Teilnehmer waren sicher, dass Teamwork den Weg in die Zukunft weisen sollte.

Einem Beitrag auf der unabhängigen Tech-Media-Website Hackernoon zufolge ist der Hackathon deshalb “so produktiv und erfolgreich [ist], weil er zu einer autotelischen, liberalen und großartigen Produktionsmaßnahme für Menschen geworden ist, die daran interessiert sind, technologische Projekte zu bauen, und dazu häufig Programmierskills verwenden“.

Abgesehen davon helfen Hackathons natürlich ebenso beim Finden von vielen nicht-technologischen Lösungen und Projekten.

Anders ausgedrückt: Hackathons machen es möglich, (in größeren Gruppen) kreative Höhenflüge zu erleben, bei denen das Motto “Der Weg ist das Ziel” vorherrscht. Die üblichen Zwänge bei Neuentwicklungen existieren hier nicht (keine bestimmte Strategie vorgeschrieben; arbeiten, mit wem man will). Bei vielen gleichgesinnten Teilnehmern führt diese Freiheit zu einem verstärkten Gemeinschaftsgefühl.

“Jeder, der sich für Technik interessiert, nimmt an einem Hackathon teil, um zu lernen, zu basteln und seine Kreationen im Laufe eines Wochenendes in einer entspannten und einladenden Atmosphäre zu teilen. Man muss kein Programmierer sein und schon gar nicht Informatik als Hauptfach studieren.” – (“(…) Anyone who has an interest in technology attends a hackathon to learn, build and share his or her creations over the course of a weekend in a relaxed and welcoming atmosphere. You don’t have to be a programmer and you certainly don’t have to be majoring in Computer Science.”)- Hackernoon

Jeder kann teilnehmen

Während Hackathons anfangs rein interne Veranstaltungen waren, sind inzwischen viele Hackathons von Organisationen so gestaltet, dass jeder teilnehmen kann, der dazu beitragen möchte – eben auch als externe Teilnehmer. Der Grund ist naheliegend: Viele verschiedene externe Experten, die unterschiedlichen Background haben, können bei den verschiedensten Themen und Problemen helfen.

Bei einem Hackathon finden Teilnehmer aus unterschiedlichsten Arbeitsbereichen zusammen,
um innovative Lösungskonzepte zu erarbeiten

Ablauf Hackathon

Natürlich kann sich der genaue Ablauf eines Hackathons unterscheiden, je nach Thema und Veranstalter. aber ein Hackathon folgt immer diesem Ablaufschema:

1. In die Thematik einführen

Die Eröffnungsrede ist der Beginn des Hackathons. Man begrüßt die Teilnehmer und macht sie anschließend mit dem Ablauf vertraut. Danach werden Vorträge gehalten, um das Thema näher zu beleuchten und die Probleme und Herausforderungen, die es zu lösen gilt, zu skizzieren. Ab und an gibt es auch Informationsstände, an denen sich die Teilnehmer über beteiligte Unternehmen oder weiter über das Thema informieren und eventuelle offene Fragen klären können.

Die Veranstaltungen können sich (thematisch) in verschiedenen Punkten unterscheiden. So zum Beispiel:

  • Welche Programmiersprache kommt zum Einsatz?
  • Was genau soll entwickelt werden?
  • Welche übergreifende Thematik soll behandelt werden?

Seltener kann es auch vorkommen, dass man den Teilnehmern freistellt, welches Problem oder Thema sie lösen bzw. behandeln wollen.

2. Teams und Gruppen bilden

Nach dem Anfangsprocedere beginnt nun die Phase, in der Gruppen gebildet werden können. Auf manchen Hackathons ist es auch möglich, bereits vorab andere Teilnehmer kennenzulernen und sich vernetzen zu können und somit eventuelle Teampartner zu finden.

Wichtig: Es sollten Teilnehmer aus unterschiedlichen Branchen zusammenfinden, um so ganzheitliche Lösungen entwickeln zu können.

3. Los geht’s!

Der eigentliche Hackathon startet nun endlich. Die Teilnehmer fangen damit an, ihre Ideen umzusetzen und Ansätze für Lösungen durchzuspielen. Bewusst oder unbewusst durchlaufen sie oftmals entweder einen Design Thinking Prozess, oder sie orientieren sich an der Lean Startup Methode.

Ein Hackathon dauert insgesamt ein bis zwei Tage, am Ende steht immer die Präsentation der Arbeitsergebnisse.

4. Präsentation

Die Teams erhalten zum Abschluss eine Bühne, damit sie ihre Lösungskonzepte und Produktideen, die sie zuvor ausgearbeitet haben, vorstellen können. Bei einem Hackathon geht es dabei nicht immer nur darum, komplett fertige, marktreife Produkte zu entwickeln. Viel wichtigere Meilensteine sind indessen:

  • Ausarbeitung ganzheitlicher Lösungsansätze
  • Ausarbeitung konkreter Prototypen

5. Preisverleihung

Nach den Präsentationen werden die Ergebnisse von einer Jury bewertet, prämierte Ideen können sowohl Sach- als auch Preisgelder erhalten. So können aus einem Hackathon nicht selten auch mal vielversprechende Startups entstehen. Wenn der Veranstalter des Hackathons ein Unternehmen ist, erhalten die teilnehmenden Teams sowohl Zeit als auch Budget, damit sie die Idee weiterverfolgen können.

Ursprung Hackathon

Der erste Hackathon geht auf das Jahr 1999 zurück, dort wurde er auf der Java-One-Konferenz in San Francisco veranstaltet. Hier fanden sich Programmierer, Techniker und Entwickler zusammen, um die Entwicklung eines Programmes für das Palm V anzugehen – ein damals topmoderner PDA (personal digital assistant). Die Idee für den Hackathon stammte übrigens von dem Informatiker John Gage.

In den Folgejahren wurden schließlich immer mehr Hackathons veranstaltet, initiiert von Technologiegruppen und Investoren, die direkt das große Potenzial zur schnellen Umsetzung neuer Entwicklungen erkannten.

Vor- und Nachteile eines Hackathon

Was bringt ein Hackathon für die Teilnehmenden bzw. Mitarbeiter des ausführenden Unternehmens? Was haben sie von dieser Veranstaltung?

Vor- und Nachteile für die Teilnehmer / Mitarbeiter:

VorteileNachteile
Der Gewinn: Bei einigen Hackathons winken attraktive Preise – von kleinen Sach- bis großen Geldpreisen ist alles möglich.Unbezahlter Mehraufwand: Ein Hackathon ist zeitaufwändig und oft auch stressig. Schnell kann der Eindruck entstehen, dass Hackathons nur wenig bringen und letztendlich nur unbezahlte Mehrarbeit für die Mitarbeiter darstellen.
Die Kontakte: Auf einem Hackathon kann man interessante Kontakte knüpfen. Hier kann man neue Leute kennenlernen, die man im “normalen” Berufsalltag niemals treffen würde.
Die Abwechslung: Wenn man jeden Tag im Büro sitzt, kann die Kreativität gerne mal auf der Strecke bleiben. Auf einem Hackathon profitiert man von Abwechslung vom Arbeitsalltag, kann neue Ideen finden und in lockerer Atmosphäre (zusammen) arbeiten.
Der Zeitdruck: Für viele ist es stressig, unter hohem Zeitdruck zu arbeiten. Ein Hackathon hingegen ist eine gute Möglichkeit, genau das zu trainieren. Zeitdruck ist dann hilfreich, wenn man eine Aufgabe zu einem Ende bringen muss, da man so gezwungen wird, sich nur noch auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Vor- und Nachteile eines Hackathons für Teilnehmer / Mitarbeiter

Vorteile aus Unternehmenssicht:

Ideen und Innovationen: Mit einem Hackathon hat das Unternehmen eine Chance, Innovationen Raum zu geben. Der normale Arbeitsalltag bietet selten Zeit, die Machbarkeit neuer Ideen zu prüfen, da notwendige Kompetenzen entweder nicht vorhanden sind oder Mitarbeitern kein Gehör finden.
Auf dem Hackathon hingegen erhalten die Mitarbeiter sowohl Zeit als auch die Möglichkeit, sich mit anderen kreativen Köpfen zu vernetzen, damit sie ihre so entstandenen Ideen auf großer Bühne präsentieren können.
Unternehmenskultur stärken: Auf einem Hackathon wird abteilungsübergreifend und interdisziplinär zusammengearbeitet. So können Mitarbeiter, die sich im Arbeitsalltag nicht begegnen würden, eng zusammenarbeiten und gegenseitig von ihrem Wissen profitieren. Auch nach dem Hackathon kann die Verbundenheit bestehen bleiben und die Mitarbeiter können sich nun besser in die Aufgaben der anderen Abteilungen hineinversetzen.
Knowhow und neue Talente gewinnen: Ein Hackathon stellt eine gute Plattform dar zur Vernetzung mit externen Wissensträgern und neuen Talenten. Man kann nicht nur tolle neue Kontakte knüpfen, sondern das interne auch mit externem Fachwissen bereichern. Auf diese Weise können Mitarbeiter auch völlig neue Kompetenzen erwerben. Und nicht zuletzt kann ein Hackathon auch als eine Art Jobmesse fungieren, auf der sich neue Talente anwerben lassen.
Vorteile eines Hackathons aus Unternehmenssicht

Hackathons in Deutschland

Auch in Deutschland sind Hackathons übrigens ein beliebtes Instrument zur Findung innovativer Lösungen oder Entwicklung neuer Produkte. Anbei eine Auswahl bekannter Hackathons in Deutschland:

Coding da Vinci

Kultur- und Technikwelt werden hier miteinander vernetzt. Kulturinstitutionen kommen mit Entwicklern zusammen zur Entwicklung funktionierender Prototypen aus offenen Kulturdaten wie z.B. Apps oder Spielen. Ungewöhnlich ist hier aber die Dauer des Hackathons: Die Teams finden sich über sechs Wochen zusammen zur Entwicklung ihrer Lösungen.

Jugend hackt

Hier steht die Förderung des Programmiernachwuchses im Fokus. Unter dem Motto “Mit Code die Welt verbessern” tüfteln die Teilnehmer zusammen mit Mentoren an digitalen Werkzeugen, Prototypen und Konzepten für ihre eigene Vision von einer besseren Gesellschaft.

Science Hack Day

Dieser Hackathon findet weltweit statt, auf verschiedene Städte verteilt – der letzte in Deutschland fand im November 2019 in Berlin statt. Das Thema ist hier immer sehr offen: Man erwartet lediglich binnen 24 Stunden die Entwicklung irgendwelcher kreativer Ideen im Zusammenhang mit Wissenschaft. Ob albern oder ernst, alles ist erlaubt. Die Idee dahinter ist schließlich die Versammlung kreativer Köpfe aus den unterschiedlichsten Bereichen, um so ganz neue Ideen voranzubringen.

Zusätzliche Tipps für Veranstalter eines Hackathons:

  • Informationen niemals spontan ändern: Die festgelegten Regeln für den Hackathon und die Beschreibung der Challenges sollten endgültig sein. Diese während des Hackathons nochmal zu ändern, kann dazu zu führen, dass die Teilnehmer frustriert und enttäuscht sind und im schlimmsten Fall sogar vorzeitig abbrechen.
  • Zeit einplanen: Bedenke bei digitalen Hackathons, dass es einige Zeit in Anspruch nehmen kann, Pitch-Decks oder -Videos hochzuladen. Aber auch die Bearbeitung dieser Unterlagen braucht Zeit. Plane daher genügend Zeit für die Teilnehmenden ein.

Fazit – Hackathons

Hackathons sind unter dem Strich ein unverzichtbares Format für Innovationen und kreative Lösungsfindungen. Sie geben Raum für Inspiration und bringen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen. Dadurch treffen unterschiedliche Kompetenzen und Stärken aufeinander und führen so zu Lösungen. Mit einem Hackathon schafft man eine Plattform für Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Vernetzungen und Innovationen.

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