Handwerksordnung – Was ist die Handwerksordnung?

Handwerksordnung – Was ist das?

Die Handwerksordnung, ausführlich: das Gesetz zur Ordnung des Handwerks oder kurz: HwO oder HandwO ist für Dich relevant, wenn Du Dich mit dem Gedanken trägst im Handwerk unternehmerisch tätig zu werden. Bekanntlich hat “Handwerk goldenen Boden!”.

Wie eben bereits angeklungen, handelt es sich bei der Handwerksordnung um ein deutsches Gesetz. Es regelt die Handwerksausübung im stehenden Gewerbe, also Gewerbebetriebe die weder den Reisegewerben, noch den Marktgewerben zuzurechnen sind, die berufliche Ausbildung und Weiterbildung im Handwerk sowie die Selbstverwaltung des Handwerks über den Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) und die Handwerkskammern.

Ziel des Gesetzes ist es den Berufsstand des Handwerks und seine Regularien zu schützen. Eine Handwerksordnung und damit ein berufsständischer Schutz von Handwerksleistungen ist so einmalig in Europa. Wir können also eigentlich stolz sein auf unsere Handwerksordnung.

 Wie ist die Handwerksordnung aufgeteilt?

Die Handwerksordnung besteht aus verschiedenen Teilen / Fachgebieten, in denen unterschiedliche Sachverhalte der Handwerksordnung behandelt werden:

Teil 1: Ausübung eines Handwerks oder eines handwerksähnlichen Gewerbes

Teil 2: Berufsbildung im Handwerk

Teil 3: Meisterprüfung und Meistertitel

Teil 4: Organisation des Handwerks

Teil 5: Bußgeld, Übergangs- und Schlussvorschriften

Anlagen: Es gibt in der Handwerksordnung die Anlagen A bis D, die für Euch zumindest teilweise eine große Rolle spielen und weiter unten nochmal auftauchen.

Handwerksordnung Teil 1: Ausübung eines Handwerks oder eines handwerksähnlichen Gewerbes

Im Handwerk wird zwischen drei Arten von Gewerbe entschieden. Es gibt das zulassungspflichtige Handwerk, das zulassungsfreie Handwerk und das handwerksähnliche Gewerbe.

Zulassungspflichtiges Handwerk

Kurzum, hier brauchst Du zwingend einen Meistertitel oder musst einen Meister in Deiner Firma einstellen, um ein zulassungspflichtiges Gewerbe betreiben zu dürfen. Du als Firma (Kapitalgesellschaft oder Personengesellschaft) oder Du als Person (wenn Du einen eigenen Meistertitel hast) muss in die Handwerksrolle eingetragen werden. Die Handwerksrolle liegt bei der jeweiligen regionalen Handwerkskammer.

Natürlich gibt es eine Menge Ausnahmeregelungen und Spezialregelungen drum herum, die alle in der Handwerksrolle geregelt sind. Wichtig ist vielleicht noch dass Du unter Umständen auch als Geselle, der schon 6 Jahre in dem Handwerk tätig ist und mind. 4 Jahre in verantwortlicher Stellung tätig war, in die Handwerksrolle eingetragen werden kann. Das gilt aber nicht für jedes Handwerk.

Die zulassungspflichtigen Handwerksberufe könnt Ihr in der Anlage A der Handwerksordnung nachlesen. Wir haben die zulassungspflichtigen Handwerksberufe der Anlage A der Handwerksordnung zum heutigen Stand zum kostenfreien Download zusammengestellt: Anlage A HwO_zulassungspflichtige_Gewerbe.

Zulassungsfreies Handwerk

Wenn Du ein zulassungsfreies Handwerk betreibst, musst Du das bei der zuständigen Handwerkskammer anzeigen. Die Handwerkskammer führt ein Verzeichnis der dort ansässigen Betriebe. Alle zulassungsfreien Handwerke der Handwerksordnung waren bis zur Handwerksrechtsnovelle 2004 ein zulassungspflichtiges Gewerbe. Viele Handwerker sehen und sahen in der Reform der Handwerksordnung einen Angriff auf ihren Berufsstand. Auch alle zulassungsfreien Handwerksberufe der Anlage B1 der Handwerksordnung zum heutigen Stand haben wir in einem kostenfreien Download zusammen gefasst: Anlage B HwO_zulassungsfreie_Gewerbe.

Handwerksähnliche Gewerbe

Die handwerksähnlichen Gewerbe wurden mit der Handwerksrechtsnovelle 1965 unter die Verantwortung der Handwerkskammern unterstellt. Die handwerksähnlichen Gewerbe werden in der Anlage B2 der Handwerksordnung erfasst. Die Anlage B2 der Handwerksordnung zum heutigen Stand haben wir in einem kostenfreien Download bereit gestellt: Anlage B HwO_handwerksähnliche_Gewerbe.

Handwerksordnung Teil 2: Berufsbildung im Handwerk

Die Ausbildung im Handwerk erfolgt zweigleisig. Zum einen durch die Berufsschule zur Vermittlung theoretischen Wissens zum Ausbildungsberuf, zum anderen durch praktische Arbeit im Ausbildungsbetrieb. Für die Ausbildungsordnungen ist das Bundeswirtschaftsministerium verantwortlich. Die Handwerkskammer erfasst und überwacht jedes Ausbildungsverhältnis in ihrem Kammerbezirk. Für die Gesellenprüfungen (= Abschluss der Ausbildung) richtet die Handwerkskammer Prüfungsausschüsse ein.

Handwerksordnung Teil 3: Meisterprüfung und Meistertitel

Das Bundeswirtschaftsministerium legt mit einer Meisterprüfungsverordnung fest, was ein Meister eines entsprechenden Handwerks so können muss. Die Meisterprüfungen werden durch staatliche Ausschüsse bei den entsprechenden Handwerkskammern abgenommen. Um an einer Meisterprüfung teilnehmen zu können, brauchst Du einen Gesellenbrief oder einen Abschluss in dem jeweiligen Ausbildungsberuf.

Handwerksordnung Teil 4: Organisation des Handwerks

Grundsätzlich verwaltet sich das Handwerk selbst. Es gibt aber ein relativ verwirrendes Konstrukt aus Innungen, Kreishandwerkerschaften und Handwerkskammern. Sorry, wenn wir hier nicht ausführlich sind, aber wenn Euch das interessiert, dann fragt bei der örtlichen Handwerkskammer nach.

Dabei ist eines wahrscheinlich noch relevant. Wenn Ihr ein Handwerk betreibt, seid ihr Pflichtmitglied in der Handwerkskammer.

Handwerksordnung Teil 5: Bußgeld, Übergangs- und Schlussvorschriften

Wenn Du ein zulassungspflichtiges Handwerk ohne Eintragung in die Handwerksrolle betreibst, handelst Du ordnungswidrig und zahlst ein Bußgeld. In erheblichem Umfang kann das auch als Schwarzarbeit verfolgt werden und hat dann noch empfindlichere Strafen. Wenn Du einen Meistertitel vorgibst ohne die Meisterprüfung bestanden zu haben, ist das auch eine Ordnungswidrigkeit und unter Umständen auch Urkundenfälschung. Auch Verstöße gegen die Ausbildungsbestimmungen können Ordnungswidrigkeiten mit entsprechenden Geldstrafen sein.

Wo finde ich das komplette Gesetz zur Handwerksordnung (HWO)?

Die vollständige Handwerksordnung könnt Ihr im Detail hier nachlesen.

Wir freuen uns wie immer über Eure Kommentare, Hinweise und Anmerkungen.

Euer start!up – Team

Bildquelle: ZDH/S&F

Written by Andreas Herzog
Hallo ich bin Andreas. Ich habe 2007 start!up consulting gegründet, um Existenzgründer auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Dabei bediene ich mich unkonventioneller Methoden, versuche keinen Berater heraushängen zu lassen und bringe Deine Idee zum Erfolg.