License als Geschäftsmodell

License als Geschäftsmodell – 55 Geschäftsmodelle erklärt

License – Das Muster

Das Geschäftsmodellmuster License konzentriert sich auf die Schöpfung von geistigem Eigentum, das in Form einer Lizenz an Dritte verkauft wird. Im Fokus steht für die Unternehmen also nicht die eigene Umsetzung und Verwertung des geistigen Eigentums, sondern vielmehr die Kommerzialisierung dessen Nutzungsrechte. Zwar sind die Lizenzgebühren häufig relativ niedrig im Vergleich mit einem Direktverkaufspreis, dafür ist die Diffusion der Produkte und Dienstleistungen in der Regel um einiges schneller und dadurch wird die abgesetzte Menge in die Höhe gedrückt. Ein zentraler Vorteil des License ist, dass Lizenzrechte grundsätzlich mehr als nur einen Abnehmer finden können. Das geistige Eigentum ist aus Sicht des Schöpfers somit nicht direkt an den kommerziellen Erfolg von spezifischen Produkten gebunden. In diesem Sinne werden die Umsätze und das Risiko diversifiziert (Wert?). Durch die schnellere und häufig höhere Diffusionsrate der Produkte oder Dienstleistungen wird zudem ein starker Markenaufbau vorangetrieben, der die Kundenloyalität erhöhen kann.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass sich das Unternehmen komplett auf die Forschung und Entwicklung fokussieren kann und keine zusätzlichen Kompetenzen für die Produktion oder  Vermarktung der konkreten Anwendungen benötigt. Darauf spezialisieren sich vielmehr die Käufer der Nutzungsrechte. Sie profitieren von diesem Geschäftsmodellmuster, indem sie auf die teilweise kostenintensiven, langwierigen und unsicheren Forschungs- und Entwicklungsprozesse verzichten können. Durch den Erwerb der entsprechenden Nutzungsrechte erhalten sie die Möglichkeit, marktreife Systeme auf direktem Wege zu gewinnen.

License – Der Ursprung

Die Ursprünge der Lizenzierungsidee gehen aufs Mittelalter zurück, als der römisch-katholische Papst lokalen Steuereintreibern Lizenzen vergab, damit diese das Recht erhielten, in Verbindung zur Kirche zu stehen. Diese Praxis der Gewährung von Rechten für die Zahlung von Lizenzgebühren hat sich dann im 18. Jahrhundert fortgesetzt, als zwei englische Adelsdamen einem Hersteller von Kosmetikprodukten erlaubten, ihre Namen auf den Produkten gegen eine prozentuale Beteiligung am Gewinn zu verwenden. Als Pionier mit dem License-Geschäftsmodell gilt Adolphus Busch, der es 1870 Produzenten erlaubte, einen Korkenzieher mit dem Namen BUSCH herzustellen. Eines der bekanntesten License-Muster-Beispiele ist Mickey Mouse, eine von Walt Disney 1928 kreierte Figur. Durch die Lizenzvergabe, beispielsweise 1930 an ein Unternehmen, um Schulmappen mit der Maus zu bedrucken, und später, um Filme, Videospiele und viele Merchandise-Artikel mit Mickey Mouse herzustellen, konnte Walt Disney eine starke Marke aufbauen und hohe Umsätze mit der Idee selbst erzielen.

License – Die Innovatoren

Eines der bekanntesten Unternehmen, welches das Geschäftsmodellmuster License erfolgreich angewendet hat, ist IBM. Als 1911 gegründetes, amerikanisches und multinational tätiges Unternehmen hat IBM im Vergleich zu den Mitkonkurrenten in der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche früh begonnen, Lizenzen für seine entwickelten Technologien zu verkaufen. Da einige Produkte aus der Forschung und Entwicklung (F&E) bei IBM nicht direkt in neue Produkte umgewandelt werden können, werden die Ergebnisse aus der F&E zumindest teilweise an andere Unternehmen durch Lizenzen vergeben. Heute macht IBM einen Umsatz in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar mit Lizenzgebühren. IBM Research wird auch angehalten, speziell für solche Lizenzeinnahmen zu innovieren. Eine zentrale Voraussetzung hierfür ist eine starke, kompromisslose Patentierungstätigkeit. IBM legt großen Wert auf Patentstrategien.

ARM Limited, ein 1989 gegründetes Unternehmen, entwickelt im Bereich der Mikroprozessoren Produktarchitekturen, -designs und -spezifikationen. Dabei werden die Mikroprozessoren jedoch nicht selbst hergestellt, sondern die Chip-Designs als Lizenzvergabe an interessierte Unternehmen zur Produktion verkauft. Im Sinne des Konzepts der Kernkompetenzen, fokussiert sich ARM auf die Forschung und die Entwicklung der Mikroprozessoren und gliedert deren Produktion durch Lizenzvergabe aus. Dadurch generiert ARM Wettbewerbsvorteile in der F&E von Mikroprozessoren, wobei die späteren Lizenzvergaben dem Unternehmen hohe Umsatzströme einbringen.

Ein weiteres Beispielunternehmen, welches das Geschäftsmodellmuster License erfolgreich anwendet, ist der weltweit größte Chemiekonzern, BASF. Das Unternehmen bietet im Bereich ihres Forschungs- und Entwicklungsbereichs Lizenzen für Produkte an, bei denen das Potenzial, innerhalb der BASF Wert zu generieren, gering ist, die aber für andere Unternehmen großen Wert darstellen. Durch das License-Modell gelingt es BASF, die nicht intern genutzten Forschungs- und Entwicklungsergebnisse erfolgreich extern zu vermarkten.

Das italienische Marken-Lizenzierungsunternehmen DIC 2 hat sich darauf fokussiert, Lizenzen für den Gebrauch von fiktionalen Cartoon-Charakteren und anderen Marken zu vertreiben. Durch die Repräsentierung der Lizenzrechteinhaber und deren Vertrieb in Italien generiert das Unternehmen DIC 2 seine Umsätze von internationalen Lizenzrechteinhabern, Markenlabels oder Medienunternehmen, ohne dabei selbst kreativ tätig sein zu müssen. DIC 2 hat erkannt, dass geistiges Eigentum und dessen Handhabung ein eigenes Geschäftsmodell darstellen kann.

Ausschnitt aus „Geschäftsmodelle entwickeln – 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator“

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