Materialkosten planen – Schritt 2 der Finanzplanung

Was sind Materialkosten?

Materialkosten sind die Kosten, die bei Dir durch den Einsatz von Material im Betrieb entstehen. Der Materialeinsatz bezeichnet den Materialverbrauch innerhalb einer Periode, z.B. Monat. Wenn Du also Umsätze mit selbst erstellten Produkten planst, siehe Umsatzplanung, hast Du zweifelsfrei auch Materialkosten. Materialkosten werden nach Materialeinzelkosten und Materialgemeinkosten unterschieden. Materialeinzelkosten sind immer ganz genau und eindeutig einem Produkt zuordenbar. Die Materialeinzelkosten sind später auch die Basis für die Umlage der Materialgemeinkosten. Um die Materialgemeinkosten kümmern wir uns in einem weiteren Beitrag. Materialeinzelkosten sind zum Beispiel eine bestimmte Quadratzentimeter Leder, um daraus später eine Tasche zu fertigen. Materialgemeinkosten können Kleber, Garn für die Nähte und Niete sein, die ich nicht oder nur aufwändig zählen und einer bestimmten Tasche zuordnen kann.

Die Formel der Materialkosten lautet also:

Materialeinzelkosten
+ Materialgemeinkosten
——————————–
= Materialkosten

Definition von Materialkosten

Materialkosten können, je nach Unternehmenszweck unterschiedlich definiert sein. Materialkosten können Fertigungskosten, Reparaturkosten und Montagekosten sein. In Dienstleistungsbetrieben werden manchmal auch die Arbeitszeiten zur Erzielung eines Umsatzes oder Fremdleistungen von Dritten als Materialkosten oder Herstellkosten bezeichnet. In Handelsbetrieben spricht man bei der Planung der Materialkosten eher von Ware oder Handelsware, also den Einkaufspreisen der Waren, die Ihr dann in Eurem Geschäft wieder verkauft. Ein Produkt kann natürlich auch aus Materialkosten und Handelswaren bestehen. Ihr stellt zum Beispiel Ledertaschen her und kauft die Verschlüsse für die Taschen von einem Lieferanten ein. Dann sind das Leder und alle von Euch verwendeten Materialien Materialkosten und der Verschluss eine Handelsware, die in Eurem fertigen Produkt aufgeht.

Rohstoffe als Materialkosten

Klassische Materialkosten setzen sich in der Regel aus Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen zusammen. Rohstoffe sind das Rohmaterial oder Fertigungsmaterial. In meinem Beispiel Ledertasche von oben ist es also das Leder, das zu einer Tasche verarbeitet werden soll. Rohstoffe bilden den Hauptbestandteil Deiner erzeugten Produkte. Mittels eines Entnahmescheins aus Deinem Lager (Lederlager) kannst Du genau feststellen, wieviel Leder Du für welche Tasche benötigt hast. Du kannst also unterschiedlichen Taschenmodellen unterschiedliche Ledergrößen, -arten und -dicken und damit auch unterschiedliche Kosten zuordnen. Somit ist jeder unterschiedlicher Taschentyp ein Kostenträger (auf BWLer-Latein). Wichtig ist nicht nur das verarbeitete Leder einer Tasche im Nachhinein als Materialkosten zu berücksichtigen, sondern auch den Verschnitt, der eventuell entsteht.

Hilfstoffe als Materialkosten

Hilfsstoffe oder Hilfsmaterial fließen ebenfalls in das Produkt ein, bestimmen es aber nicht wesentlich. Um bei meinem Taschenbeispiel zu bleiben, so werden die Nähte mit Garn genäht und bestimmte Stellen vielleicht mit Nieten versehen. Theoretisch könnte man jetzt die Länge des Garns messen und die Anzahl der Niete pro Taschentyp zählen und der einzelnen Tasche zuordnen, das ist aber oft zu aufwändig und nicht praktikabel. Wenn an der Tasche auch Kleber zum Einsatz kommt, wird es noch schwieriger, diesen eindeutig zuzuordnen. Daher werden Hilfsstoffe oft über die Materialgemeinkosten auf die Produkte umgelegt.

Betriebskosten als Materialkosten

Betriebskosten sind Materialkosten, die nicht in das Produkt einfließen, aber zur Herstellung des Produktes benötigt werden. Zum Beispiel benötige ich für meine Taschenproduktion eine Stanze, welche die Lederteile ausstanzt. Diese Stanze funktioniert zum Beispiel mit Strom, so dass der Strom für mich Betriebskosten darstellen.

Feststellung des Materialverbrauchs zur Bewertung der Materialkosten

Wichtig ist bei Produkten, dass Ihr Euch von Anfang an mit einer Lagerwirtschaft auseinander setzt, die eine Kostenzuordnung zu einzelnen Produkten möglich macht. Mittels Materialentnahmeschein dokumentiert ihr, wieviel ihr von was aus dem Lager entnommen habt und ordnet es einem Produkt zu. Nur so könnt Ihr die Kosten, die mit dem Produkt in Zusammenhang stehen, erfassen und mit Eurer Kalkulation abgleichen.

Rohertrag als Kennzahl zwischen Umsatz und Materialkosten

Über Rohertrag haben wir bereits geschrieben. Es ist aber wichtig, hier nochmal den Zusammenhang zu verstehen. Wenn Ihr Umsätze und Materialkosten sauber zuordnet und somit Euren Rohertrag errechnen könnt, dann ist diese betriebswirtschaftliche Kennzahl mit anderen Unternehmen aus Eurer Branche oder mit ähnlich gelagerten Branchen vergleichbar.

Dieser Vergleich gibt Dir Hinweise, ob Du Dein Produkt im Durchschnitt teurer oder günstiger produzierst als die Konkurrenz, oder ob Du bei vergleichbarem Materialaufwand vielleicht günstigere Preise hast, als die Mitbewerber.

Materialkostenplanung

Wenn Ihr nun die Materialkosten in Eurer Finanzplanung planen wollt, so macht es Sinn sich entweder vorerst am Branchendurchschnitt zu orientieren oder bereits konkrete Angebote (mehrere!!) von potentiellen Lieferanten einzuholen. Ich bin kein Fan zuerst eine Produktionshalle aufzubauen und hunderttausende Euro auszugeben, um dann festzustellen, dass man zu den Materialkosten des Branchendurchschnitts nicht produzieren kann. Also mein Tipp: Sucht Euch ein bestehendes Unternehmen, an das Ihr die Produktion vorerst auslagert. Wenn der Laden brummt und Ihr entsprechende Stückzahlen produzieren müsst, kann man immer noch überlegen, die Produktion ins Unternehmen zu holen.

Im ersten Schritt sind die Materialkosten des Produktes so natürlich ein wenig teurer, weil der Lieferant auch etwas an der Herstellung verdienen will, aber das Risiko von Fehlinvestitionen ist minimiert und der Kapitalaufwand um starten zu können ebenfalls.

Wenn Ihr Fragen und Anmerkungen habt, nutzt unseren Kommentar oder vereinbart mit uns einen kostenfreien Ersttermin.

 

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