Open Source als Geschäftsmodell

Open Source als Geschäftsmodell – 55 Geschäftsmodelle erklärt

Open Source – Das Muster

Im Rahmen des Geschäftsmodellmusters Open Source wird ein Produkt nicht von einem einzelnen Unternehmen, sondern von einer öffentlichen Community entwickelt. Der Quellcode ist für die
Öffentlichkeit frei einsehbar, wodurch quasi jeder – vom Hobby-Tüftler bis zum Profi  – der Community beitreten und seine Expertise einbringen kann. Eine aus dieser Konstellation resultierende
Folge ist, dass die entwickelte Lösung nicht einem einzelnen Unternehmen, sondern der Allgemeinheit als Ganzes gehört. Hierdurch kann für OpenSource-basierte Produkte in der Regel kein Geld verlangt werden, wodurch diese zumeist kostenlos sind. Um dennoch mit diesem Muster einen Ertrag erwirtschaften zu können, liegen OpenSource-basierten Geschäftsmodellen häufig Erlösmodelle zugrunde, die den Umsatz nicht direkt mit der entwickelten Lösung, sondern indirekt durch hierauf aufbauende Einnahmeströme generieren.
Für Unternehmen, welche dieses Muster für sich nutzen möchten, ergibt sich hieraus der Vorteil, dass sie nicht in die Entwicklung neuer Produkte investieren müssen. So wird die Entwicklungsleistung von der Community in der Regel freiwillig und ohne Bezahlung durchgeführt. Ihre Motivation, an der Entwicklung mitzuwirken, ist häufig intrinsischer Natur, z. B. weil persönliches Interesse an der Verbesserung einer derzeitigen Lösung existiert. Die Befürworter von OpenSource sind oft davon überzeugt, dass sich mit dieser Vorgehensweise überlegenere Lösungen als im Vergleich zu einem Proprietär-Modell erzielen lassen, weil die Arbeitskraft einer Gemeinschaft genutzt wird. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil von Open-Source ist das Umgehen von Herstellerabhängigkeiten.

Open Source – Der Ursprung

Seinen Ursprung hat Open Source in der Softwarebranche, wo es erstmals in den 1950er Jahren von IBM angewendet wurde. Zwei Jahre nach der Einführung des ersten IBM-Computers ist die sogenannte Share Usergruppe mit dem Ziel gegründet worden, dass sich IBM-Nutzer über technische Informationen zur Programmierung, operative Systeme oder Datenbanken austauschen können. In den 1990er Jahren wurde Open Source dann für die Weiterentwicklung der Browser-Software Netscape genutzt. Auslöser hierfür war die zunehmende Dominanz von Microsoft im Browser-Software-Bereich, wodurch sich das Entwicklerteam der Netscape Communications Corporation gezwungen sah, einen alternativen Weg der Wertschöpfung einzuschlagen. Hieraus ging das OpenSource-Projekt Mozilla und die im Rahmen dieses Projekts entwickelte Browser-Software Firefox hervor. Zwischenzeitlich hat sich OpenSource-Software (OSS) zu einem integralen Bestandteil der Software-Branche entwickelt. Als das erste Unternehmen, dem es in diesem Bereich gelungen ist, ein profitables Geschäftsmodell zu entwickeln, gilt Red Hat. Das Software-Unternehmen generiert seinen Umsatz in erster Linie durch das Verkaufen von Serviceverträgen und komplementären Software-Anwendungen für das Betriebssystem Linux. Mit dieser Art Geschäftsmodell gelang es Red Hat als einem der ersten Unternehmen, die 1-Milliarde-US-Dollar-Umsatzmarke für OpenSource-Produkte zu knacken.

Open Source – Die Innovatoren

In den vergangenen Jahren wurde Open Source auch außerhalb der Software-Branche angewendet. Ein prominentes Beispiel hierfür stellt das Online-Lexikon Wikipedia dar, welches 2001 an  den Start ging und gegenwärtig das weltweit am häufigsten genutzte Nachschlagewerk darstellt. Wikipedia besteht aus Artikeln, welche von Internetnutzern aus aller Welt unentgeltlich konzipiert und in einem offenen Bearbeitungsprozess fortlaufend verbessert werden. Da die Nutzung von Wikipedia kostenlos ist, finanziert sich das Unternehmen größtenteils über Spenden. Seit seiner Lancierung hat Wikipedia viele etablierte Lexika-Herausgeber vom Markt verdrängt und sie so zur Aufgabe eines jahrhundertealten Geschäftsmodells gezwungen.
Ein anderes Beispiel für eine Geschäftsmodellinnovation, welche auf dem OpenSource-Muster basiert, stellt das Schweizer Unternehmen mondoBIOTECH dar. Das Geschäftsmodell von  mondoBIOTECH, welches sich selbst als das weltweit erste OpenSource-Biotech Unternehmen bezeichnet, sieht vor, Wirkstoffe für seltene Erkrankungen, sogenannte „Orphan Diseases“, zu finden. Die Entwicklung dieser Stoffe erfolgt dabei jedoch nicht klassisch durch die Erforschung im Labor, sondern durch das internetbasierte Screening bereits vorhandener Forschungsergebnisse und Informationen. Hierdurch kann bereits vorhandenes Wissen über Wirkungszusammenhänge auf effektive Art und Weise genutzt werden. Im Vergleich zu einer laborbasierten Entwicklung geht dies nicht nur mit enormen Kostenersparnissen, sondern auch mit einer erhöhten Effektivität einher. So umfasst die Produktpipeline von mondoBIOTECH bereits elf Jahre nach seiner Gründung über 300 Wirkstoffe. Sechs davon haben mittlerweile sogar den Orphan-Drug-Status erhalten. In der klassischen Pharmaforschung wird dieser Status im  Vergleich nur etwa jedem zehntausendsten Wirkstoff erteilt.
Ein weiteres Erfolgsbeispiel für Open Source kommt derzeit aus der Automobilindustrie, wo im Jahr 2008 mit Local Motors der erste Open Source-basierte Automobilhersteller an den Start ging. Das Geschäftsmodell von Local Motors basiert auf einem Open Design Network, welches es Ingenieuren aus aller Welt ermöglicht, Vorschläge für den Bau eines neuen Autos einzubringen und diese gemeinsam über eine Web-Plattform weiterzuentwickeln. Das erste Auto, welches nach diesem Prinzip entwickelt und produziert wurde, ist der „Rally Fighter“. Zwar konnte sich dieser bis dato nur ca. 150 Mal verkaufen, kostete das Unternehmen mit nur 3,6 Millionen US-Dollar jedoch auch nur drei Prozent dessen, was sonst üblicherweise in der Automobilindustrie für die Entwicklung eines Autos veranschlagt wird. Hierdurch konnte das Unternehmen mit seinen 150 verkauften Stück gerade einmal zwei Jahre nach Launch einen Break-Even-Point erreichen.
Zahlreiche forschungsbasierte Initiativen wie das Humangenom-Projekt sind durch das Open Source-Muster erfolgreich geworden. Die größte Herausforderung liegt nicht im „create value“, sondern im „capture value“. Beim Design des Geschäftsmodells ist darauf zu achten, dass ein Teil der geschaffenen Wertschöpfung auch im eigenen Unternehmen bleibt.
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