Startup-Stories - nakt®

Startup-Stories – Interview mit Louisa von nakt®

Für unser letztes Interview konnten wir Louisa von nakt® gewinnen. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Kommilitonen Sebastian hat sie das Startup direkt im Anschluss an ihren Studienabschluss gegründet.

Mit ihrem wiederverwendbaren Abschminktuch, dem Herzstück des Startups, vereinen sie Nachhaltigkeit und Funktionalität. Tolle Sache, wenn man sich vor Augen führt, wieviel Müll die Menschheit tagtäglich der Umwelt zumutet.

Auf die Idee, ein solches Produkt herzustellen, kamen die beiden bereits während ihres Studiums der Architektur aus einem persönlichen Bedürfnis heraus. Bei der Recherche bemerkten sie, dass es bei anderen nachhaltigen Alternativen immer wieder Schwachstellen gab. Während sie sich dann im Zuge des Architekturstudiums mit nachhaltigen Baustoffen und -systemen sowie Textilien auseinandersetzten, entstand die Idee, selbst ein Textil zu entwickeln, das ihren Anforderungen entsprach.

Mit einer Crowdfunding-Kampagne haben sie alles ins Rollen gebracht.

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Ein Auszug aus dem Interview zum Thema Crowdfunding:

“Gestartet sind wir über ein Crowdfunding, das lief letzten November. Und da haben wir es dann auch geschafft, über einige (lokale) Zeitungen – Darmstädter Echo, Frankfurter Allgemeine Zeitung – unsere Zielgruppe zu erreichen. Das hat gut funktioniert.”

Genau, darauf wollte ich auch nochmal zu sprechen kommen. Das ist natürlich ein toller Weg, einmal um bekannter zu werden, hast du ja eben schon gesagt, und auch zu testen. Also wie kommt mein Produkt bei der Zielgruppe an, wie viele Unterstützer gibt es? Kann ich diesen Anfangshype auch in einen größeren Kreis bringen? Wie ist eure Erfahrung? Und – da bin ich vielleicht ein bisschen kritisch – viele sagen “da hab ich mal so in einer halben Stunde eine Crowdfunding-Kampagne zusammengeklickt und zwei Wochen später 50.000 EUR auf dem Konto.” Vielleicht kannst du da mal ein bisschen von eurer Erfahrung berichten?

“Bei uns waren es nicht zwei Stunden, sondern eher zwei Monate Vorbereitung. Schon im Sommer haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir uns da präsentieren wollen. Wir haben ein sehr aufwändiges Video gedreht. Wir haben uns sehr intensiv damit beschäftigt, wie man sowas aufbaut, weil wir wussten, dass das im Grunde der erste und wichtigste Test ist. Weil das natürlich eine Möglichkeit ist, ohne sich erst in Unkosten zu stürzen, auszuprobieren, ob das funktioniert.

Zum Glück konnten wir die Kampagne im Grunde durch unser Stipendium finanzieren, das hat uns sehr geholfen. Also das Video zum Beispiel. Wir haben sehr lange diskutiert, was wir alles in den Texten schreiben. Uns war wichtig, dass wir möglichst uns auch vermitteln – uns als Team und uns als das, was dahintersteht – um auch genau transportieren zu können, was uns wichtig ist und dass mehr dahintersteckt als eben zwei Stoffe, die “aneinandergeklatscht” sind.

Es war aber auch sehr viel Vorbereitung für das Marketing natürlich. Wir haben eingangs eine Launch-Veranstaltung gehabt. Normalerweise hätten wir gerne hier im Büro eine Großveranstaltung gehabt, war alles natürlich schon geplant, aber das ging dann nicht. Wir haben das dann online stattfinden lassen, das war auch wunderschön. Da haben wir unser Video premiert und haben im Grunde nochmal unsere Geschichte erzählt. Da waren ganz viele Freunde und unser ganzes Netzwerk vom Team war anwesend. Und weil wir in den letzten zwei Jahren eben nur mit diesem Projekt beschäftigt waren, haben viele selbst aus dem engsten Kreis gar nicht so richtig mitbekommen, was wir eigentlich gemacht haben. Auch weil wir durch das Patent lange nicht so richtig was erzählen konnten. Das heißt selbst für die war das superspannend, da mal mehr zu erfahren, über unsere letzten zwei Jahre. Und das hat einen sehr guten Start für die Kampagne ermöglicht.

Wir haben viel gelernt, wir hätten einiges auch anders machen können.

Das ist zwar je nach Plattform sicher unterschiedlich, aber bei vielen sind ja z.B. die ersten 24 Stunden entscheidend, d. h. wenn man im Grunde alle animiert die ersten 24 Stunden das zu unterstützen, was sie eh unterstützen wollen, ist das förderlich für die Kampagne. Wir haben viel gelernt, wir hätten einiges auch anders machen können. Dazu haben wir auch einen Blogbeitrag geschrieben, um so ein bisschen zu resümieren wie das so war, für alle die, die da gern auch ein paar Tipps haben wollen. Das haben wir da im Blog alles genau geschrieben. Der Zeitraum war halt sehr kurz, wir wollten das vor Weihnachten noch realisieren, damit alle als Weihnachtsgeschenk ihr Tuch haben.

Das war von der Zeit her sehr knapp, deswegen konnten wir nichts mehr ändern. Wir mussten wirklich alles perfekt haben zu dem Zeitpunkt, wo die Kampagne losging. Wir haben dann jeden Tag versucht, irgendwelche Interviews zu führen, und waren hier in der Stadt mit pinken Luftballons. Im Grunde war das unser “Ja-Sager-Monat”. Wir haben alles dafür getan, damit die Kampagne erfolgreich ist, und das hat zum Glück auch geklappt. Das war wirklich viel Arbeit.”

OK. Ich fasse mal zusammen, was eure Erkenntnisse waren, für die Leute, die sich auch damit beschäftigen:

  • Es ist nicht zu unterschätzen, was die Vorbereitungszeit angeht. Ihr habt ein halbes Jahr vorher angefangen und es war am Ende trotzdem knapp.
  • Man soll nicht den Anspruch an sich selbst verlieren. Also nicht, dass man sagt das ist so nebenher mal mitgemacht, sondern das muss eine hohe Qualität haben, weil es in der Regel ja sozusagen der erste Außenauftritt ist.
  • Man muss viel investieren, damit es am Anfang erfolgreich wird.

Das habe ich auch schon oft gehört, dass man eben die PS am Anfang auf die Straße kriegen muss, in der ersten Woche oder den ersten zwei Wochen, da gibt es unterschiedliche Daten. Da müssen dann z.B. 30 % des Funding-Ziels erreicht sein, damit man auf diesen Plattformen nach vorne gebracht wird, oder damit man auf der Startseite angezeigt wird, so dass andere davon auch was mitkriegen. Und man darf sich nicht einfach darauf verlassen, dass auch genug Leute mitmachen, wenn man auf der Plattform mal drauf ist. Ihr habt ja auch aktiv dazu beigetragen, dass Leute euch und eure Kampagne finden und die dann unterstützen.

Wie war das bei euch? Ihr habt ja auch eine Kampagne gemacht, bei der man einen Gegenwert erhält. Also z.B. euer zukünftiges Produkt oder irgendwelche anderen Leistungen. Wie sind da eure Erfahrungen was so die Akzeptanz betrifft? Da gibt es ja von der handgeschriebenen Postkarte bis hin zu aufwändigen, teuren Workshops oder Kampagnengeschenken oder Gegenwerten. Welche Erfahrung habt ihr gemacht? Werden eher so kleinere Dinge unterstützt, also mit kleineren Gegenwerten, oder sind große Gegenwerte realistisch und gut?

Wir haben im Vorfeld sehr viel verglichen, wie andere das gemacht haben und was da erfolgreich war.

“Wir haben im Vorfeld sehr viel verglichen, wie andere das gemacht haben und was da erfolgreich war. Wir haben uns dann dazu entschieden, ein kleineres Produkt zu nehmen, also im Grunde für diejenigen, die sich kein Abschminktuch leisten wollen. Das war bei uns so ein Beutel, eigentlich Merchandise. Dann unser Produkt und dann nochmal solche ganz großen Angebote.

Dadurch haben wir auch versucht zu zeigen, dass wenn das einzige Produkt das Abschminktuch ist, dann wirkt das vielleicht teurer als es eigentlich ist, weil man keinen Vergleich hat. Es hat sich aber herausgestellt, dass wir auch nur das Abschminktuch hätten anbieten können, weil das im Grunde genommen das Produkt war, das alle gekauft haben. Die Leute sind eben doch da, um das Produkt zu kaufen.

Wir haben auch eine Kooperation mit der Diakonie hier in Darmstadt gestartet – es war ja zu Hochzeiten der Pandemie -, wo dann auch die Unterstützer Masken spenden konnten. Also wir haben alles versucht. Uns wurde auch vorher gesagt, wir sollten uns für eine Sache entscheiden. Daran haben wir uns nicht gehalten, das war auch gut für uns. Wir fanden das schön: Diejenigen, die bei uns einen Pulli bestellt haben, freuen sich auch jetzt noch über ihn. Auch wenn das nicht so viele waren, wie wir gedacht hatten.

Ich denke man muss so ein bisschen gucken, ob das machbar ist, Zusatzprodukte umzusetzen und zu realisieren in dem Zeitraum, oder ob das den Rahmen sprengt. Allein die Tatsache, dass man dann unterschiedliche Verpackungsgrößen anbieten muss für diese Sonderbestellungen. Aber ich denke, hauptsächlich sollte der Fokus auf dem Produkt selbst liegen. Nur ist es natürlich so, wenn das Produkt selbst schon 100 Euro kostet und dann Leute das unterstützen wollen aber das nicht kaufen wollen oder können, dann lohnt es sich auf jeden Fall auch nochmal ein günstigeres Produkt anzubieten, weil man den UnterstützerInnen dann einen Gegenwert bietet für die Unterstützung. Ich finde es kommt einfach auf das Produkt an, das man realisieren möchte.”

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Das war jetzt wieder nur ein kleiner Einblick in ein tolles Interview, welches ihr euch hier in kompletter Länge ansehen könnt.

Und auch das von Louisa erwähnte Video zur Crowdfunding-Kampagne wollen wir euch nicht vorenthalten:

Louisa, vielen Dank für deine Zeit und dass du uns mitgenommen hast in eure Geschichte. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und noch mehr begeisterte Kund*Innen!

Wir melden uns bald wieder mit einer neuen Story aus einem ganz anderen Fachgebiet.

Euer Team von start!up consulting

Startup-Stories – Interview mit Franca und Andreas von insight.out

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