Startup-Story Fibrecoat mit startucation

Startup-Stories – Interview mit Robert von FibreCoat

Wir freuen uns sehr, ein neues Format präsentieren zu dürfen: Unsere Startup-Stories.

Der Plan? In regelmäßigen Abständen gibt es ein neues Interview mit aufstrebenden deutschen Startups aus allen erdenklichen Bereichen.

Die Vision? In regelmäßigen Abständen gibt es ein neues Interview mit aufstrebenden deutschen Startups aus allen erdenklichen Bereichen. Mit diesen Geschichten wollen wir all denjenigen Mut machen, die mit dem Gedanken an eine Existenzgründung spielen. Wir wollen inspirieren und Neugier wecken.

Den Anfang hat Robert gemacht. Robert ist einer von drei Gründern und Geschäftsführern von FibreCoat. Im Gespräch mit Andreas erzählt er unter anderem von den Unternehmensanfängen, Faserverbünden und Spaghetti mit Tomatensoße.

Anbei schon mal ein Auszug aus dem Interview:

Ihr seid ja ein Tech-Startup, aber “Faserverbünde” sind nicht unbedingt jedem geläufig. Wie würdest du denn meiner Oma erklären was Faserverbünde sind? Und wie das funktioniert, vielleicht auch mit einem Anwendungsbeispiel, das man aus dem Alltag kennt?

Als typisches Beispiel von einem Faserverbund nehmen wir mal eine Autotür, da ist doch jeder schonmal eingestiegen. So eine Tür muss leicht sein. Und fest. Und sie sollte möglichst günstig sein. Das heißt also: leicht, damit das Auto möglichst wenig Sprit verbraucht; fest, damit bei einem Unfall nichts passiert; und günstig, damit wir uns das Auto auch leisten können. Und heutzutage hat man immer nur zwei dieser drei Faktoren. Ich kann also die Tür aus Stahl bauen, so ist sie günstig und fest, aber eben nicht leicht. Oder aus Faserverbund, was bedeutet, ich habe einen Kunststoff mit einer Glas- oder Carbonfaser, wodurch die Tür leicht und fest, aber auch teuer wird. Oder ich baue eine Tür aus Papier, wodurch sie leicht und günstig wird, aber alles andere als fest.

Und wenn ich der Oma erklären würde, was wir genau tun, würde ich das anhand einer Spaghetti mit Tomatensoße erzählen.

Und genau das ist das Spannungsfeld, was es schwierig macht, die optimale Lösung zu finden. Darum ist Faser und Verbund das typische, was man aus dem Motorsport kennt, zum Beispiel Formel 1. Da ist das komplette Chassis aus Faserverbund hergestellt. Und unser Ansatz ist es, das so günstig zu machen, dass das auch bei einem Golf bspw. Anwendung findet, damit der Golf auch sparsam, günstig und fest ist. 

Und wenn ich der Oma erklären würde, was wir genau tun, würde ich das anhand einer Spaghetti mit Tomatensoße erzählen. Normalerweise ist der Aufwand bei Spaghetti ja recht hoch. Zuerst muss ich die Nudeln herstellen, dann muss ich sie kochen, dann muss ich die Soße herstellen, und danach die Nudeln mit der Soße zusammenbringen und Käse darüberstreuen. Das sind doch viele Schritte. Und was wir machen, ist prinzipiell alles in einem Schritt auf einmal. Heißt konkret: In dem Moment, wo die Nudel hergestellt wird, “beschichten” wir sie schon mit der Tomatensoße und dem Käse, sodass man sie nur noch aufwärmen muss und dann schon essen kann. Und das dann trotz allem mit perfektem Geschmack. Das ist der Clou bei unserer Vorgehensweise.

Das war eine super Erklärung! Damit kann doch wirklich jeder was anfangen.

Ich glaube die bekannteste Kohlefaser ist, wie du schon sagst, die Carbonfaser. Wie man sie z.B. aus dem Rennsport kennt. Und da denke ich, ist es jedem klar, dass das wahnsinnig teuer ist. Deswegen wird es auch bisher nur in solchen “Premium-Sportwagen” verbaut. Und eure Faser hat jetzt die gleichen Eigenschaften, ist aber wesentlich günstiger. 

Genau. Wir arbeiten genaugenommen mit Glasfasern. Carbon ist das, was alle kennen. Aber wenn man ehrlich ist und sich das mal anschaut auf dem Markt, sind ungefähr 90-95 % aller Faserverbünde Glas. Das ist aber auch teuer. Und wir setzen auch Glas ein, kein Carbon. Es ist quasi GFK, Glasfaserverstärkter Kunststoff. Aber es ist genau wie du sagst: Wir machen das Material und den Prozess günstiger, weil wir die Kette kürzen.

Jetzt verstehe ich das so, dass das eine Basistechnologie ist. Also es gibt wahrscheinlich ganz viele Anwendungsfälle für Faserverbünde. Wie habt ihr es dann geschafft, für euch Zielgruppen zu definieren oder zu sagen, dass ihr als Startup jetzt genau in der Branche einsteigt und erste Kunden findet?

Das war tatsächlich Zufall, ganz startup-mäßig (lacht). Wir hatten natürlich einen Plan mit beiden Materialkombinationen, die wir anbieten können. Und wir haben das eine ganz offiziell mit Veröffentlichung im Markt gestartet jetzt im Januar. Auch mit einer Idee vom Markt und wen wir ansprechen wollen. Jetzt stellte sich aber raus, dass die Anfragen, die wir erhalten, aus komplett anderen Branchen kommen.

Und dementsprechend haben wir unseren Fokus nochmal geändert und bedienen natürlich die Anfragen, die wir erhalten. Ein Großteil der Anfragen ist tatsächlich nicht aus dem Kontext Auto, sondern aus dem Bereich der Abschirmung. Die elektromagnetische Abschirmung, wie z.B. der Schutz vor 5G, ist ein großes Thema. Weniger für den Menschen, sondern für die Elektronik. Vieles muss einfach vor 5G geschützt werden, weil das zu Störungen und Fehlern führen kann. Und da haben wir jetzt unseren Markt mit den meisten Kunden. Und das war, wie gesagt, so gar nicht geplant. Es hat sich quasi entgegen unserer Ideen einfach so ergeben. 

Habt ihr auf dem Gebiet jetzt erstmal nur nationale, also auf Deutschland beschränkte Kunden, oder ist das – im Hinblick auf 5G – ein internationales Geschäft?

Unser Ansatz war erst mal der, dass es uns egal ist, wo der Kunde sitzt. Wir stellen das Material her und müssen nicht, wie bei einem physischen Produkt, das Marketing ganz spezifisch auf die verschiedenen Kundengruppen planen, sondern wir verkaufen im Bereich B2B an Weiterverarbeiter. Und der Weiterverarbeiter in Indien hat die gleichen Probleme wie der in Deutschland. Allerdings haben wir in Europa einen deutlich einfacheren Marktzugang. Wir haben es uns ein bisschen zu einfach vorgestellt, aus der EU hinaus zu exportieren. Wir haben auch Anfragen aus Asien und Amerika, aber das wird Monate dauern, bis wir alle entsprechenden Genehmigungen haben. Und deswegen liegt unser Fokus jetzt erst mal auf Europa. Da sind wir komplett frei, seien es deutsche Kunden oder spanische. Das ist dann ganz breit gefächert. Wir kommunizieren sowieso alles auf Englisch.

Jetzt mal zur Gründungsgeschichte. Ich habe gelesen, dass du promoviert hast, also das heißt du hast mal eine wissenschaftliche Karriere angestrebt? Erzähl doch mal, wie aus dieser wissenschaftlichen Karriere die Existenzgründung entstanden ist. Und glaubst du, dass man als Gründer geeignet sein muss? Sprich: Glaubst du an das sogenannte Gründer-Gen?

Zunächst war die Promotion mein Ziel. Die Gründung war eine mögliche Idee, aber jetzt nicht das, was im Fokus stand über die fünf Jahre meiner Promotion an der Uni. Man muss auch dazusagen, dass die Promotion in Maschinenbau in Aachen sehr industrienah und projektbezogen ist. Man ist sehr nah am Markt, man entwickelt Produkte für Firmenkunden. Was wir – meine beiden Mitgründer, Alex und Richard, und ich – festgestellt haben, ist, dass wir tolle Ideen haben, die aber von der Industrie nicht umgesetzt werden. Das heißt man kann was erforschen, erzielt gute Ergebnisse, aber am Ende ist es ein Glücksspiel, ob es einer macht oder nicht.

Also aus der Uni heraus etwas auf den Markt zu bringen ist einfach nicht möglich, wenn es keinen Partner gibt, der dahintersteht und es letztendlich auch kauft. Und gerade bei dieser Idee haben wir gesagt, jetzt machen wir es einfach selbst. Die Idee ist gut, hat viel Potential, und wir können das auch selbst umsetzen. 

Ich glaube, dass man die richtigen Leute braucht. Keiner kann alles, davon bin ich überzeugt.

Zu deiner zweiten Frage: Ich glaube nicht, dass man ein Gründer-Gen braucht. Ich glaube, dass man die richtigen Leute braucht. Keiner kann alles, davon bin ich überzeugt. Und in unserem Fall ergänzen wir uns sehr gut. Es gibt Leute, die sind technisch begabt, andere sind im Marketing spitze, oder auch im administrativen Bereich. Und da wir uns so gut ergänzen und einfach das richtige Team zusammengestellt haben, sind wir überhaupt so weit gekommen. 

Und genauso ist es, wenn einer eine richtig tolle Idee, aber dafür keine Ahnung vom Markt hat. Da gibt es aber Leute, die genau das können und am Markt sind und mit denen er dann zusammenarbeiten kann. In Aachen haben wir das Glück, dass wir über das Gründerzentrum auch die Leute finden können. Das gibt’s aber auch in allen anderen Städten. 

Also: Ich glaube nicht, dass man “das Gen” braucht. Man braucht nur das richtige Team.

Wie habt ihr euch gefunden? Kanntet ihr euch aus dem Studium heraus oder habt ihr euch erst im Zuge der Gründung gefunden und dann als Team formiert?

Teils, teils. die Grundidee der Gründung war ein Forschungsversuch, der auf 2014 zurückgeht. Damals war ich schon dabei zu promovieren und Alex war noch Student. Er kam dann ans Institut und hat auch promoviert. Und dann haben wir diese Idee immer weiterentwickelt. Das heißt wir waren immer schon gemeinsam in diesem Thema. Und als es dann mit der Firmengründung Ende 2017/Anfang 2018 konkreter wurde, haben wir gesammelt, was uns an Kompetenzen noch fehlt. Insbesondere haben wir Schwächen im Bereich Markt und Netzwerk entdeckt. Und dann war da Richard, der damals schon Verbundprojekte an der Uni geleitet hat. Richard war wirklich extrem gut vernetzt und hat die Kundenakquise und -gespräche richtig gut aufgestellt. Wir haben ihn dann angesprochen und dazugeholt. Das hat perfekt gepasst. Gekannt haben wir uns zwar schon vorher, aber richtig eng zusammengearbeitet haben wir erst, nachdem wir uns zusammengetan haben. 

Ihr habt ja ein “Fördervehikel” genutzt, um Forschungsprojekte,die an der Uni oder uninahen Instituten entwickelt werden, in ein Startup zu überführen. Kannst du für unsere Zuhörer / Leser ein bisschen erzählen, um welches Programm es sich da handelte? Gerne auch, wie ihr darauf gekommen seid und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt und wie die groben Abläufe sind.

 Wir haben EXIST genutzt. Dabei gibt es verschiedene Modelle: Zum einen gibt es den Forschungstransfer, den wir genutzt haben. Dann gibt es noch das Gründerstipendium, das ein bisschen offener ist. 

Als wir die Idee mit der Gründung hatten, haben wir uns erst mal informiert, wie sich das finanzieren lässt. Genauer gesagt: Den Schritt von “es läuft in der Uni im Labor” hin zu “es kann auch in der Industrie funktionieren” abzubilden. Dafür gibt es verschiedene Förderformate. Wir haben uns damals für EXIST entschieden, weil es am besten gepasst hat. 

Die Idee von EXIST ist, dass verschiedene Forschungen aus der Uni validiert und industrialisiert werden innerhalb von (üblicherweise) 18 Monaten, um zu sehen ob es dafür einen Markt gibt. Der Ablauf: Man informiert sich bei EXIST. Meine Empfehlung ist, vorher erstmal anzurufen und mit den Experten dort zu sprechen ob es generell passt und aufgeht. Die Leute dort sind wirklich sehr hilfsbereit.

Und dann stellt man einen Antrag, für den man – nagelt mich jetzt nicht fest – 20 Seiten schreibt, ähnlich einem Businessplan. Da gibt es natürlich an manchen Stellen noch Lücken, weil man einfach nicht immer alles weiß. Sonst bräuchte man das Projekt ja auch nicht. Und nach der Bewilligung gibt es dann einen Pitch in Berlin, bei dem man vor Experten auf Herz und Nieren geprüft wird. Und danach erhält man dann die Förderung. Das heißt es gibt eine Gehaltszahlung für bis zu vier Personen über 18 Monate und nochmal 250.000 EUR obendrauf für Verbrauchsmaterial etc.

Was zum Forschungstransfer unbedingt erwähnt werden muss: Das geht nur über eine Uni. Man muss an einer Uni angesiedelt sein. Viele Unis bieten aber auch an Teams aufzunehmen für den Forschungstransfer, das heißt man kann auch für die Antragstellung auf die Uni zugehen. Das ist dann aber auch die einzige Auflage, die erfüllt werden muss für EXIST.  

Das Forschungsstipendium ist offener, das kann jede Privatperson einfach beantragen. Aber die Seite von EXIST ist auch wirklich sehr gut und erklärt viel.

(…)

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Bis hierher hat es euch schon gefallen? Dann schaut auf jeden Fall in das komplette Interview rein! Robert erzählt unter anderem noch ausführlich darüber, wer ihn und seine Gründerkollegen auf dem Weg begleitet und unterstützt hat und z.B. auch über die Patentierung ihrer Idee. Weitere spannende Themen sind: die Reaktionen des Umfelds auf die Gründung, Finanzierung und Investoren, nützliche Tools, die den Arbeitsalltag erleichtern, die Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit und – ganz wichtig und vor allen Dingen wertvoll! – Tipps für andere Gründer.

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Robert und seine Kollegen, es war toll euch und den Werdegang eures Startups kennenzulernen und das Interview hat wirklich Spaß gemacht!

Bald melden wir uns wieder mit der nächsten Startup-Story. Man darf gespannt sein!

Euer start!up-Team

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Gründer-Story: Jan Rabe und sein Wechselpilot

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