Startup-Stories: Sperling

Startup-Stories – Katharina & Team und ihr Startup Sperling Bags

“Wenn man daran glaubt, sollte man auch alles dafür geben.”

Mit diesem starken Zitat aus unserem letzten Interview wollen wir diesmal starten. Katharina, Co-Founderin von Sperling, hat uns ein Stück in ihre Gründungsgeschichte eintauchen lassen. Aber beginnen wir doch von vorne.

Mit ihren Sperlingen, wie sie ihre Produkte liebevoll nennen, machen Katharina und ihr Mitgründer Björn Taschen für weltoffene Menschen für eine respektvollere Zukunft. Die Taschen sind einzigartig, weil sie vor allem aus Kork sind, was ähnlich wie Leder weich und elastisch ist, aber eben vegan und nachhaltig. Sie möchten ein Zeichen setzen, dass Taschen “kein Leben kosten müssen”.

Die Gründung des Unternehmens erfolgte während des Studiums. Die ersten Rucksäcke entstanden an der eigenen Nähmaschine, Katharina schnitt die Teile zu und Björn vernähte sie. Mit den Ergebnissen besuchten sie Messen und konnten so direkt bei ihrer Zielgruppe testen, wie die Produkte ankommen und was es zu verbessern gibt.

Da die Messen bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ausfielen, musste ein Webshop her. Auch die Produktion der Taschen wurde von der heimischen Nähmaschine in eine externe Produktionsstätte verlegt. Um dies finanzieren zu können, mussten Katharina und Björn ihren heißgeliebten Camper verkaufen. Aber was tut man nicht alles, um seinen Traum verwirklichen zu können?!

Anbei ein Ausschnitt aus dem Interview:

Würdest du sagen, dass dieser Kontakt zu eurer Zielgruppe total wichtig ist? Ich bin ja immer auf der Suche nach den Findings, also was wichtig ist für jemand, der anfängt sich mit Existenzgründung zu beschäftigen. Jetzt habe ich ein bisschen rausgehört, dass die Messe quasi euer Produktentwicklungslabor ist. Also wie reagieren die Kunden, welche Fragen werden häufig gestellt. Wahrscheinlich konntet ihr da auch Preise testen.

Also würdest du jemand, der am Anfang steht, empfehlen, dass er mit seiner Zielgruppe in Kontakt kommen muss?

“Wenn man weiß, wohin man will, sollte man auch den Weg gehen.”

“Es war ja so, dass ich neben dem Studium gar kein Unternehmen gründen wollte. Wir hatten gar keine Strategie. Und wir haben das eigentlich nur aus dem Bauch heraus gemacht. Ich habe mir nur so gedacht: ‘Ich muss einen Rucksack verkaufen, habe aber keine Ahnung wie man einen Webshop baut. Also muss ich irgendwohin, wo man mit Menschen sprechen kann. Ich bin so begeistert davon, den wird irgendjemand anders dann auch mögen.’

Und jetzt im Nachhinein sehen wir, dass das ein sehr guter Schritt war, dass wir auf die Messen gegangen sind. Wir hören immer wieder von anderen Unternehmern, dass Messen ja eigentlich nur gut wären, um zu zeigen, dass man da ist, wie ein Aushängeschild. Aber Geld würde man damit nicht verdienen. Wir – in unserem Stadium – haben damit auf jeden Fall Geld verdient und ich glaube auch, dass Unternehmen damit Geld verdienen können.

Aber wenn ich das als Tipp rausgeben würde an andere angehende Unternehmer, würde ich auf jeden Fall sagen: ‘Geht nicht auf Messen, um da das Geld zu machen. Es gibt andere Wege, auf denen man sein Geld machen kann. Aber um mit Kunden in Kontakt zu kommen, ist das wirklich der beste Schritt’.

Ich würde am Anfang auch auf keinen Fall irgendwelche Aushilfen mitnehmen, sondern mich wirklich als Gründer dahinstellen und die Kunden hören. Hören, was die Kunden wollen. Damit man auch die Website dementsprechend aufbauen kann.

Bei Björn und mir ist das so: Wir sehen den Kunden, und innerhalb einer Sekunde wissen wir schon, welche Fragen kommen und welchen Rucksack er kaufen wird. Ob er überhaupt einen Rucksack kaufen wird. Man sieht das einfach den Kunden an. Wir sind darin richtige Experten geworden und das macht auch so einen Spaß. Gerade wenn man mal Rückschläge erleidet, z.B. in der Produktion. Dann sieht man die Kunden und deren Lächeln wenn sie sagen: ‘Ich bin so froh jetzt einen Sperling zu haben und bin so stolz, ich will den jetzt direkt aufsetzen.’ Das gibt einem so viel Motivation weiterzumachen, denn Rückschläge gibt es immer wieder. Das bringt einen echt so viel weiter, genauso wie der Austausch.

Es ist aber auch so, dass dann manchmal Kunden kommen, die einen bestimmten Wunsch haben. Bei uns ist das dann zum Beispiel ganz oft ‘ich hätte aber gerne einen Stillrucksack’, ‘…einen Rucksack, den ich zum Reiten mitnehme’, ‘…wenn ich auf dem Motorrad sitze’. Man muss da dann schon differenzieren, man kann nicht alles einfach umsetzen, was die Kunden sich wünschen.

Also es ist auf jeden Fall sehr wichtig, im Austausch mit den Kunden zu bleiben, aber man muss nicht jeden Wunsch umsetzen. Einfach auf sich selber hören und sein eigenes Ding durchziehen. Wenn man weiß, wohin man will, sollte man auch den Weg gehen.”

Sehr schön war das eben mit ‘Ich sehe den Kunden und weiß, welche Fragen der stellt und welchen Rucksack der kauft’. Ich sage immer, das ist Zielgruppendefinition. Wenn man vor dem geistigen Auge eine Person hat und mit dieser Person interagieren kann. Da ist es auch egal ob man ein B2B- oder B2C-Geschäft hat, denn am Ende ist da immer eine Person. Das ist dann total hilfreich, um für diese Person – Buyer Persona – eben ein Produkt zu entwickeln, was sie dann auch nachfragt und gut findet.

“Ganz wichtig ist da auch die Preispolitik. Auf den Messen kristallisiert sich sehr schnell raus, wie der Preis beim Kunden ankommt. Digital bekommt man das nicht so mit.”

Ihr habt den großen Schritt gewagt und brauchtet Geld. Wie habt ihr das beschafft oder was musstet ihr aufgeben um Projekt Sperling zu starten?

“Wir haben die ersten 24 Rucksäcke – das war wirklich viel für uns – selber genäht; Björn saß an der Nähmaschine, ich habe zugeschnitten. Da waren wir dann auch ein paar Tage oder eher Wochen damit beschäftigt, Rucksäcke zu nähen. Wir haben das immer weiter perfektioniert und Schnittmuster erstellt.

Und dann haben wir irgendwann gemerkt, dass wir da nicht mehr hinterherkommen. Wir wollten mehr, als nur an der Nähmaschine zu sitzen. Wir wollten nicht, dass mit Sperling nur assoziiert wird: ‘Aah, da ist das junge Mädchen, das nur an der Nähmaschine sitzt und seine Taschen verkauft’. Das wollten wir von Anfang an nicht und waren uns damit auch sicher. Wir wollten niemand sein, der auf dem Basar nur ein paar Rucksäcke verkauft. Wir wollten eine Marke bilden.

Dann haben wir gesagt, dass wir eine Näherei finden sollten. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis wir die perfekte Produktionsstätte gefunden haben, die dann auch unserer Stoffe genommen und verarbeitet hat. Da haben wir unsere ersten 200 Rucksäcke herstellen lassen, mit denen wir auf die weiteren Messen gefahren sind.

Um das aber finanzieren zu können, mussten wir Geld auftreiben. Und da kamen dann ganz schnell Leute, die uns anboten uns zinsfrei Geld zu geben, gegen Unternehmensanteile. Wir wussten aber, dass wir uns da nicht reinreden lassen wollen und niemand dabeihaben wollten, wenn Entscheidungen getroffen werden. Dann haben wir auf unsere Konten geguckt – so als Studenten – und da war gar nix drauf. Nur Björn hat vorher ein duales Studium gemacht und von dem Geld ein Wohnmobil gekauft. Mit dem sind wir herumgefahren und haben die Messen besucht.

Dann haben wir beschlossen, dieses Wohnmobil zu verkaufen, dann unsere Rucksäcke zu verkaufen und mit dem verdienten Geld das Wohnmobil wieder zurückzukaufen. Schweren Herzens haben wir dann auch das Wohnmobil verkauft. Im Nachhinein sind wir dann auch zu dem Schluss gekommen, dass es unsinnig wäre dieses alte klapprige Wohnmobil wieder zurückzukaufen, das wahrscheinlich sowieso nur noch ein Jahr hält. Aber wir haben es so sehr geliebt, das war ein wirklich tränenreicher Abschied. Aber für unsere Zukunft haben wir das gerne gemacht. Wir haben unser Hab und Gut verkauft – das ist jetzt aber kein Tipp, den ich Unternehmern geben möchte.

“Wenn man daran glaubt, sollte man auch alles dafür geben.”

Aber ich glaube, dass die Message dahinter sehr wichtig ist: Wenn man daran glaubt, sollte man auch alles dafür geben. Sich nächtelang hinsetzen und vielleicht sein Auto verkaufen. Einfach, weil man selber daran glaubt.”

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Wie immer könnt ihr euch das Interview in voller Länge ansehen und -hören. Es lohnt sich mal wieder!

Wir bedanken uns bei Katharina für ihre Zeit und die interessante Geschichte. Es ist immer wieder toll, mit Menschen zu reden, die ihren Traum kennen und alles dafür geben und dies auch leben. Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft!

Euer Team von start!up consulting

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