Venture Capital: Wagniskapital verständlich erklärt

Venture Capital – Wagniskapital verständlich erklärt

Definition: Was ist Venture Capital?

Unter Venture Capital (deutsch: Wagniskapital oder Risikokapital) versteht man eine Form des außerbörslichen Beteiligungskapitals (Private Equity). Während Private Equity generell einen Handel mit Eigenkapitalanteilen an Unternehmen, die nicht an der Börse sind, darstellt, bezieht sich Venture Capital auf Mittelüberlassungen, die zeitlich begrenzt sind. Diese Mittelüberlassungen richten sich in Form von Eigenkapital speziell an junge Wachstumsunternehmen. Oder kurz gefasst: Man nennt es Wagniskapital, da es als besonders riskant geltenden Unternehmungen zur Verfügung gestellt wird.

Als besonders riskant bezeichnet man Unternehmensideen, die zwar noch in einem frühen Stadium stecken, aber dennoch ein großes Potenzial für Wachstum aufweisen. Die Kapitalgeber erhalten zum Ausgleich für das Risiko, das sie eingehen, Unternehmensanteile.

Das Wagniskapital kann auf diesen Wegen eingebracht werden:

  • vollhaftendes Eigenkapital oder
  • eigenkapitalähnliche Finanzierungsinstrumente: Mezzanine-Kapital oder Wandelanleihen.

Häufig sind die Kapitalgeber Wagniskapitalgesellschaften (oder auch Venture-Capital-Gesellschaften, kurz: VCG), die sich auf dieses Geschäftsmodell spezialisiert haben.

Was zeichnet Venture Capital aus?

Die Wagniskapitalbeteiligung ist durch folgende Punkte gekennzeichnet:

  • Eine Beteiligung richtet sich meist an junge, nicht an der Börse vertretene und oftmals technologieorientierte Unternehmen (Startups).
  • Im Vordergrund stehen vollhaftendes Eigenkapital und hybride Finanzierungsformen, da die Unternehmen nicht genügend Kreditsicherheiten für eine herkömmliche Fremdfinanzierung vorweisen können. In Deutschland sind Minderheitsbeteiligungen üblich in Höhe von 20 bis 35 %.
  • Die finanziellen Mittel werden prinzipiell zeitlich unbegrenzt bereitgestellt. Allerdings liegt das Ziel einer solchen Kapitalbeteiligung nicht darin, hohe Dividenden- oder Zinszahlungen zu erhalten, sondern vielmehr im Gewinn, den man aus dem Verkauf der Beteiligung erzielt (Exit).
  • Die Beteiligung ist an ein sehr hohes Risiko gekoppelt, welches bis hin zum Totalverlust des Kapitals führen kann, das man eingesetzt hat. Parallel dazu sind aber sehr hohe Renditen bei Erfolg möglich.
  • Man stellt nicht nur Kapital zur Verfügung, sondern auch betriebswirtschaftliches Knowhow. Hierdurch hilft man den Unternehmensgründern, die oftmals noch unerfahren sind, und gestaltet gleichzeitig die Beteiligung erfolgreich. Deswegen spricht man hier auch gerne von intelligentem Kapital (englisch: smart capital). Der Kapitalgeber hat infolgedessen die Möglichkeit, aktiv bei den unternehmerischen Tätigkeiten mitzuwirken (Managementunterstützung). Ebenso kann er mit seinem Netzwerk helfen, Personal einzustellen oder Geschäftsbeziehungen aufzubauen.
  • Umgekehrt werden dem Kapitalgeber oft Informations-, Mitsprache- und Kontrollrechte eingeräumt. Diese gehen schließlich über übliche Rechte aus einer Beteiligung hinaus.

Venture Capital und Private Equity

Oftmals nehmen Private-Equity-Fonds Venture-Capital-Gesellschaften auf. Die Anteile, die die VCG besitzen, verkauft man an Investoren.

Man spricht im Grunde genommen von vier typischen Finanzierungsphasen:

  • Gründung: Das Potenzial ist hier wichtiger als das Kapital.
  • Seed-Phase: Das Startup bereitet sich auf den Markteintritt vor. Man muss ein Team zusammenstellen und benötigt Kapital, um den Mitarbeitern Gehälter zahlen zu können.
  • Startup-Phase: Die Geschäftsidee verwirklicht sich. Man benötigt nun Kapital, um Marketing zu finanzieren und benötigt Unterstützung bei aufkommenden Fragen.
  • Wachstumsphase: Nun entwickelt sich das Unternehmen. Es muss allmählich wachsen.

Venture Capital – Der Beteiligungsprozess

Wenn ein erster Kontakt mit einem Investor steht und dessen Interesse geweckt ist, wird zunächst eine Vertraulichkeitsvereinbarung (Non-Disclosure-Agreement, oder kurz: NDA) abgeschlossen. Diese stellt sicher, dass die Betroffenen die Informationen aus dem Beteiligungsprozess nicht für andere Zwecke verwenden. Die Vertraulichkeitsvereinbarung enthält häufig auch schon Exklusivitätsregelungen, die den Gründern verbieten, über einen bestimmten Zeitraum hinweg mit anderen Investoren Beteiligungsgespräche zu führen.

Im Anschluss daran verschafft der Investor sich einen vertieften Eindruck von Management-Team, Geschäftsmodell und Businessplan und holt erste Informationen über das Unternehmen ein. Überzeugen ihn alle Aspekte – hervorzuheben ist hier das Management-Team -, betreibt der Investor den Prozess schließlich weiter.

In der Regel schließt man nun im nächsten Schritt ein Term Sheet ab (auch: Letter of Intent (LOI), Head of Terms, Memorandum of Understanding (MOU) oder Absichtserklärung). In diesem hält man die wesentlichen Richtgrößen fest, die der Investor mit seiner Beteiligung anstrebt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den rechtlichen und wirtschaftlichen Eckpunkten. Zu diesem Zeitpunkt hat der Investor noch keine ausführliche Prüfung des Unternehmens vorgenommen, das er zu finanzieren plant. Daher wird das Term Sheet unter dem Vorbehalt abgeschlossen, dass die Prüfung der wirtschaftlichen, finanziellen, rechtlichen und steuerlichen Situation des Unternehmens den Investor zufriedenstellen wird (Due Diligence Prüfung).

Nachdem die Due Diligence Prüfung zufriedenstellend durchgeführt wurde, werden nun folgende Verträge ausgehandelt, die als Basis der Beteiligung des Investors am Unternehmen dienen:

  • Beteiligungsvertrag,
  • Gesellschaftervereinbarung,
  • Gesellschaftsvertrag und Geschäftsführerdienstverträge,
  • gegebenenfalls zusätzliche (Finanzierungs-)Verträge.

Beendigung der Venture-Capital-Finanzierungsbeziehung

Wie bereits oben erwähnt, ist die wichtigste Ertragskomponente beim Venture Capital der sogenannte Exit (Ausstieg). Daher ist eine passende Gestaltung dieses Beteiligungsausstiegs von großer Bedeutung. Die beste Option aus der Perspektive der Financiers ist der IPO (Initial Public Offering), sprich: der Gang an die Börse.

Weitere Exit-Kanäle sind folgende:

  • Verkauf der Beteiligung an ein Unternehmen, das strategische Ziele verfolgt (Trade Sale),
  • Verkauf an eine oder mehrere Wagniskapitalgesellschaften (Secondary Purchase),
  • Rückkauf durch die Gründer*innen des Unternehmens (Company Buy Back).

Wie können wir helfen?

Wenn ihr Unterstützung benötigt, beispielsweise bei der Suche nach passenden Finanzierungsinstrumenten, meldet euch gerne bei uns. In einem kostenfreien Strategiegespräch finden wir gemeinsam heraus, ob und wie wir euch helfen können.

Euer Team von start!up consulting

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