Vermögensverwaltende GmbH als Spezialform der GmbH

Vermögensverwaltende GmbH – Wie du beim Vermögensaufbau profitierst

Eine vermögensverwaltende GmbH kann interessante steuerliche Vorteile mit sich bringen. Was es damit auf sich hat, möchten wir dir im Folgenden gerne erklären.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Thema rund um die vermögensverwaltende GmbH ist sehr komplex. Eine Gründung solltest du dementsprechend am besten mit einem/einer Expert*in begleitet durchführen.
  • Mittels einer vermögensverwaltenden GmbH kannst du von steuerlichen Vorteilen beim Vermögensaufbau profitieren.
  • Für besagte Steuervorteile musst du dich jedoch an bestimmte Vorgaben halten.
  • Die Holding kann eine Spezialform der vermögensverwaltenden GmbH sein.

Was ist eine vermögensverwaltende GmbH?

Bei der vermögensverwaltenden GmbH handelt es sich um eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung), die nur die Verwaltung von Beteiligungen zur Aufgabe hat. Im Gegensatz zu der klassischen GmbH ist diese Form der GmbH nicht operativ tätig. Anstatt operative Geschäfte zu führen, steht hier das Erzielen von Gewinn aus Kapitalvermögen im Vordergrund – entweder als Muttergesellschaft einer Holding oder lediglich durch das Einbringen erworbener privater Vermögen.

Aus rechtlicher Sicht gibt es jedoch keinerlei Unterschiede zwischen der vermögensverwaltenden und der „normalen“ GmbH. Es gelten also alle bekannten Anforderungen (Gesellschaftsvertrag, Mindestkapital etc.).

Was bringt mir eine vermögensverwaltende GmbH?

Körperschaftssteuer-Kürzung

Hältst du eine Beteiligung von mindestens 10 % an einer anderen Gesellschaft, sind dann die Gewinne aus der Beteiligung befreit von der Körperschaftssteuer (§ 8b KStG). Auf diese Weise reduzierst du schließlich deine Steuerlast um 15 %.

Gewerbesteuer-Kürzung

Wenn du eine Beteiligung von mindestens 15 % an einer anderen Gesellschaft hältst, musst du keine Gewerbesteuer auf die entsprechenden Gewinne zahlen (§ 9 GewStG). Das heißt, je nach Bundesland profitierst du von einer Steuerersparnis von ca. 14 bis 17 Prozent.

Varianten der vermögensverwaltenden GmbH

Die vermögensverwaltende GmbH kann zwei verschiedene Formen haben. Entweder handelt es sich um die Einbringung privaten Vermögens, meist in Form von Aktien, Anleihen, Immobilien oder ETFs. Oder aber man fasst direkte Beteiligungen an einer GmbH, Kapitalgesellschaft (KG), Aktiengesellschaft (AG) oder anderen Rechtsformen zusammen in einer Muttergesellschaft (d.h. Holding) zusammen.

Einbringung von Privatvermögen

GmbH-Gesellschafter*innen haben mit der vermögensverwaltenden GmbH die Möglichkeit, auf ihr Privatvermögen steuerliche Vergünstigungen anzuwenden, indem sie es komplett oder teilweise in eine spezielle, vermögensverwaltende GmbH überführen („Spardosen-GmbH“).

Wenn Gesellschafter*innen die Gewinnausschüttung aus dem Unternehmen umwandeln in private Investitionen wie beispielsweise Aktien, Immobilien oder Wertpapiere, müssen sie eine hohe steuerliche Belastung hinnehmen. Zu 15 % Körperschaftssteuer kommen in der Regel noch 25 % Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer. Daraus ergibt sich eine Steuerbelastung von etwa 56 %. Gerade die Abgeltungssteuer kann man umgehen, indem man das private Vermögen entweder in eine bestehende GmbH einbringt oder wenn man eine vermögensverwaltende GmbH gründet, die nur dem Zweck der Vermögensverwaltung dient.

Kapitalertragsteuer umgehen mit einer Holding

Mit jeder Gewinnausschüttung in das eigene Privatvermögen zahlst du auch Kapitalertragsteuer. Wenn aber deine Beteiligungen an Unternehmen und Gesellschaften in einer Holding zusammengefasst sind, ist bei einer Gewinnausschüttung an diese keine Kapitalertragsteuer mehr fällig.

Was ist eine Holding?

Mit der Organisationsform der Holding werden mehrere Unternehmen hierarchisch gegliedert. Die Holding besteht zudem aus einer Mutter- und mindestens einer Tochtergesellschaft. Jedoch existieren die Gesellschaften rechtlich unabhängig voneinander.

Die Holding kann in verschiedenen Formen vorkommen:

  • Finanz-/Vermögensholding: Die Muttergesellschaft hält Beteiligungen an den ihr untergeordneten Tochtergesellschaften. Jedoch nimmt sie nur wenig Einfluss auf die Töchter. Verwaltet sie in erster Linie nur das Vermögen der Gesamtgruppe, tritt sie lediglich als Vermögensverwaltungsgesellschaft auf ohne weitere Konzerneigenschaften.
  • Operative Holding: Dies ist die geläufigste Form der Holding. Die Mutter ist am Markt aktiv tätig und die Töchter sind strukturell, strategisch sowie personell von ihr abhängig.
  • Organisatorische Holding: Diese Form setzt man innerhalb eines Unternehmens ein, um die interne Struktur und Organisation einzelner Bereiche zu verwalten.
  • Management Holding: Die Muttergesellschaft selbst ist nicht aktiv am Markt tätig. Stattdessen verantwortet sie die strategische Planung sowie Steuerung der Tochtergesellschaften.

Das heißt also: Geht es um Vermögensverwaltung, kann es sich anbieten, eine Finanzholding zu gründen. Bist du beispielsweise an mehreren Gesellschaften mit mindestens 10 % am Stammkapital beteiligt, kannst du mittels Holding die Beteiligungen an diesen Gesellschaften gebündelt zusammenfassen.

Für wen lohnt sich die vermögensverwaltende GmbH?

Hinsichtlich der steuerlichen Vergünstigungen lohnt sich die vermögensverwaltende Gesellschaft vor allem für steuerpflichtige Personen mit einem hohem Kapital- und Grundvermögen. Der Vorteil liegt insbesondere in der dauerhaften Thesaurierung der Kapitalerträge. Das heißt: Die erwirtschafteten Gewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern als Gewinnrücklagen einbehalten. Und diese Rücklagen verwendet man wiederum zur Finanzierung des Unternehmens.

Auch im Zusammenhang mit der Planung einer langfristigen Vermögensübertragung ist die Einbringung von Privatvermögen in eine vermögensverwaltende GmbH sinnvoll. Denn diese Art der Vermögensübertragung ist einfacher als Aktien, Immobilien oder andere Wertpapiere schrittweise zu übermitteln. Diese Möglichkeit wählen überwiegend Familien, welche ihr Vermögen langfristig an ihre Nachkommen weitergeben wollen.

Vorteile und Nachteile der vermögensverwaltenden GmbH

VorteileNachteile
Steuerpflichtige Personen mit einem hohen Privatvermögen profitieren von der vermögensverwaltenden GmbH aus steuerlicher Sicht, wenn sie ihr Privatvermögen bzw. Teile davon in die Gesellschaft einbringen.Privatvermögen in eine GmbH einzubringen lohnt sich erst ab einem sechsstelligen Betrag, da die GmbH Grundkosten wie zum Beispiel Jahresabschluss, Steuerberatung und ähnliches abdecken muss.
Privatvermögen in das Unternehmen einzubringen kann besonders dann sinnvoll sein, wenn du langfristig eine Vermögensübertragung an Kinder oder Enkelkinder planst.Das eingebrachte Kapital gehört rein rechtlich nicht mehr dir, sondern ist Betriebsvermögen. Du musst dich also der GmbH gegenüber wie eine unbeteiligte Person verhalten, da sonst der Verdacht entstehen kann, dass verdeckte Gewinnausschüttungen oder Einlagen getätigt werden.
Die Übertragung privaten Vermögens in das Unternehmen bewirkt, dass die GmbH im Fall von privaten finanziellen Problemen schützt.Hast du eine vermögensverwaltende GmbH gegründet, giltst du selber nicht mehr als Privatperson. Du musst unternehmerische Bedingungen erfüllen, Beiträge an die Industrie- und Handelskammer abführen und kannst auch bestimmte Angebote, wie zum Beispiel kostenlose Depots, nicht mehr in Anspruch nehmen. Das kann sich im Rückschluss nachteilig auf die Rendite auswirken.
Der wohl häufigste Grund für das Einbringen privaten Vermögens in eine vermögensverwaltende GmbH ist der steuerliche Vorteil. Erfüllst du bestimmte Voraussetzungen, kannst du besonders die Abgeltungs- und Gewerbesteuer umgehen. Dies bedeutet eine Minderung der Steuerlast von bis zu 29 %.Es besteht das Risiko, dass zwischen Abschluss des Notarvertrages und Eintragung ins Handelsregister eine lange Zeitspanne liegt, in welcher die GmbH eine sogenannte Vorgesellschaft ist. Übt die GmbH in dieser Zeit vermögensverwaltende Tätigkeiten aus, die die Vorbereitungshandlungen übersteigen, muss die GmbH Gewerbesteuer abführen.
Eine vermögensverwaltende GmbH bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich

Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH

Vor der Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH solltest du dich mit den folgenden Faktoren befassen. Sie dienen als erste Orientierung, welche Form der vermögensverwaltenden GmbH für deine Zwecke zu empfehlen wäre und ob eine Gründung überhaupt sinnvoll wäre:

  • Woraus setzt sich dein Vermögen zusammen?
  • Wie hoch ist dein persönlicher Einkommensteuersatz (aktuell sowie zukünftig)?
  • Wie hoch ist die Steuerbelastung bei einer Einbringung in die vermögensverwaltende GmbH?
  • Schichtest du dein Vermögen häufig um?
  • Sollen Immobilien im Besitz der Familie bleiben oder verkauft werden?
  • Können Erträge dauerhaft thesauriert werden?
  • Bist du auf hohe Gewinnausschüttungen angewiesen?

So musst du bei der Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH vorgehen

Wenn du dich schließlich für die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH entschieden hast, musst du unter anderem folgende Schritte durchlaufen:

1. Erstellung eines Gesellschaftsvertrages

Für die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH ist ein Gesellschaftsvertrag essentiell. Diesen solltest du dann auch von einem/einer Notar*in auf seine Richtigkeit prüfen lassen. Der Gesellschaftsvertrag muss unter anderem folgende Punkte enthalten:

  • Angaben zum Unternehmen
  • Angaben zu den Gesellschafter*innen
  • Unternehmenssitz
  • Unternehmensgegenstand
  • Höhe des Stammkapitals
  • Zahl und Nennbeträge der Geschäftsbeträge der Gesellschafter*innen

2. Eröffnung eines Geschäftskontos

Willst du ein Geschäftskonto eröffnen, so musst du meist einen Gesellschaftsvertrag vorweisen können. Des weiteren muss der/die geschäftsführende Gesellschafter*in sich ausweisen können.

3. Notar

Ein/e Notar*in muss anschließend den Gesellschaftsvertrag beurkunden, den die Gesellschafter*innen unterschrieben haben. Außerdem erstellt er/sie eine Gesellschafterliste.

4. Einzahlung der Stammeinlage

Ganz wichtig ist ebenfalls die Einzahlung der Stammeinlage. Schließlich erfolgt der Eintrag ins Handelsregister durch eine/n Notar*in erst dann, wenn du die entsprechende Einzahlung nachweisen kannst.

5. Eintragung ins Handelsregister

Abschließend erfolgt die Eintragung ins Handelsregister des zuständigen Amtsgerichts. Der Eintragung folgt dann die Bekanntmachung der GmbH. Die Gesellschaft darf erst dann tätig werden, wenn das alles erledigt ist, sofern eine Befreiung von der Gewerbesteuerpflicht geplant ist.

Was du bei der Gründung zusätzlich beachten solltest

Stammkapital und Anteile

Das Stammkapital beträgt immer 25.000 EUR und wird von allen Gesellschafter*innen gemeinsam eingebracht. Jedoch sagt die Höhe des eingebrachten Kapitals nichts darüber aus, welche Anteile die einzelnen Gesellschafter*innen halten.

Listung im Bundesanzeiger

Jede GmbH erhält eine Listung im Bundesanzeiger. Dort kann jede*r einsehen, wie hoch das Gesellschaftsvermögen ist.

Betriebsvermögen

Jede Gesellschaft braucht auch ein Vermögen. Bei der vermögensverwaltenden GmbH geht das Privatvermögen des/der Gründer*in vollständig oder teilweise in das GmbH-Vermögen über.

Gewerbesteuer

Ob deine vermögensverwaltende GmbH von der Gewerbesteuer befreit wird, liegt im Ermessen des zuständigen Finanzamts.

Name

In Bezug auf den Namen der vermögensverwaltenden GmbH kann es schließlich zu einer Besonderheit kommen. Fallweise ist es eine Bedingung bei der Eintragung ins Handelsregister, dass der GmbH-Name den Zweck „Vermögensverwaltung“ beinhaltet. Unter Umständen kann dies dann auch ein wichtiger Aspekt bei der Beantragung der Befreiung von der Gewerbesteuer sein.

Kosten einer vermögensverwaltenden GmbH

Die Kosten für eine vermögensverwaltende GmbH setzen sich aus den Gründungskosten sowie den laufenden Verwaltungskosten zusammen:

Gründungskosten:

  • Notarkosten
  • Satzungskosten
  • Kosten für den Gründungsvertrag
  • Stammeinlage (mindestens 25.000 EUR)
  • Im Fall von Übertragung von Immobilien: Grunderwerbsteuer und weitere Notarkosten

Laufende Verwaltungskosten:

  • Kosten für jährliche Bilanzierung
  • Steuerberaterkosten
  • Kosten für Gewerbesteuer- und Körperschaftssteuererklärung zum Jahresabschluss
  • Depotkosten

Fazit

Das Thema vermögensverwaltende GmbH ist unter dem Strich sehr komplex. Daher können wir auch nicht einfach so sagen, ob eine Gründung sinnvoll ist oder nicht, dies muss man immer von Fall zu Fall entscheiden. Erfüllt man alle Voraussetzungen und hält sich an alle Vorgaben, kann man schließlich durchaus von Steuerersparnissen profitieren. Auf jeden Fall ist Beratung durch Expert*innen dringend zu empfehlen.

Wie können wir helfen?

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