Zebra-Startups – Warum viele Startups lieber Zebras als Einhörner sind

Einhörner, Zehnhörner, Zebras – die Huftiere werden im Startup-Kontext gerne als Bild für ihre Wirtschaftlichkeit und Bewertung genutzt. Was es jetzt genau mit Zebra-Startups auf sich hat und wie es zu dieser Bezeichnung überhaupt kam, erfährst du in diesem Beitrag.

Dass Einhörner und Startups miteinander in Verbindung gebracht werden können, hat sich mittlerweile schon recht gut herumgesprochen. Auch die selteneren Decacorns, also Zehnhörner, kann man in der freien (Startup-)Wildbahn zuweilen beobachten. Aber die Tatsache, dass sich zu den seltenen anmutigen Fabelwesen nun noch weitere Huftiere hinzugesellen, ist noch etwas jünger. Denn neben Ein- und Zehnhörnern konnte man in den letzten Jahren auch immer mehr Zebras antreffen.

Das Wichtigste im Überblick

Definition: Was ist ein Zebra-Startup?

Startups, die sich selbst als Zebra bezeichnen oder als eben solches kategorisiert werden, haben andere Ziele als ihre gehörnten Verwandten, die Einhörner. Bei ihnen steht nämlich nicht das überdurchschnittliche schnelle Wachstum und eine entsprechend hohe Unternehmensbewertung im Fokus.

Zebra-Startups streben ein nachhaltiges Wachstum an und legen dabei einen Fokus auf soziale oder/und ökologische Ziele. Es geht um Zusammenarbeit statt Verdrängung. Genau diese Werte haben immer mehr Startups im Blick.

Zebra-Startups trifft man immer häufiger in der Gründungsszene an
Zu den Einhörnern in der Gründungsszene gesellen sich immer mehr Zebras.

Wie unterscheiden sich Einhorn- und Zebra-Startups?

Einhörner nennt man Startups, die vor dem Börsengang oder einem Exit eine Bewertung von mindestens 1 Milliarde US-Dollar erhalten. Davon träumen natürlich viele Gründer:innen; das eigene Unternehmen innerhalb kürzester Zeit skalieren und es für unglaublich hohe Summen verkaufen.

Aber besonders auch Venture Capital-Geber:innen interessieren sich für super-erfolgreiche, schnell wachsende Gründungen. Sie sind sich nämlich bewusst, dass bereits ein einziges Einhorn in ihrem Portfolio ausreicht, um der eigenen Reputation den letzten, besonderen Schliff zu verpassen und ihre bereits investierten Summen zu refinanzieren.

Doch was geschieht mit den unzähligen anderen Gründungen, die den hohen Erwartungen ihrer Geldgeber:innen nicht entsprechen können? Die zwar eine konstante Entwicklung verzeichnen, aber trotzdem viel zu weit von der Milliardenbewertung weg sind? Diese Gründungen erleben oftmals einen gnadenlosen Druck und wenn dieser zu nichts führt, werden sie (nicht selten) einfach fallengelassen – also weiterverkauft. Die Folge ist, dass Unternehmen zurückbleiben, die wahrscheinlich eine glorreiche Zukunft hätten erwarten können – vorausgesetzt, Profitinteresse und Ungeduld der Investor:innen wäre nicht so groß gewesen.

Diesem Stress wollen sich immer mehr Gründer:innen nicht länger aussetzen. Zebra-Startups differenzieren sich ganz bewusst von den Einhörnern: Kein superschnelles Wachstum um jeden Preis, sondern eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung haben für sie oberste Priorität. Sie setzen sich nicht dem Einfluss externer Geldgeber:innen aus, stattdessen machen sie lieber mit weniger Kapital, dafür aber umso mehr Unabhängigkeit, ihr eigenes Ding. Zebra-Startups streben in erster Linie nicht den großen Reichtum an, sondern wollen die Welt verbessern. Natürlich haben sie aber dabei auch wirtschaftliche Aspekte ihres Tuns im Blick. Das Credo lautet hierbei: Gesellschaftliche Verantwortung und profitables Wirtschaften miteinander vereinen.

Einhorn und Zebra – Das sind die Unterschiede

EinhornZebra
Zweckexponentielles Wachstumnachhaltiger Wohlstand
ZielExit, Liquiditätsfall, 10 xRentabilität, Nachhaltigkeit, 2 x
ResultatMonopolstellungPluralität
Weltanschauungschwarze Zahlen schreiben, Gewinner und VerliererWin-Win
MethodeKonkurrenzKooperation
Natürliches MusterParasitismusGegenseitigkeit
Ressourcengehortetgeteilt
Stilbestimmendteilnehmend
verlangtmehrgenug, besser
begünstigtPrivate, Einzelpersonen, AktionäreÖffentlichkeit, Gemeinschaften
Teamaufstellungtechniklastigausgeglichen: Gemeinschaftsleiter:innen, Kundenerfolg, Ingenieur:innen
Nutzer:innen zahlenmit Aufmerksamkeit (intransparent)für Wert (transparent)
WachstumsrichtungHockey-Stickregeneratives Wachstum
MesstechnikQuantitätQualität
PrioritätNutzerbeschaffungNutzererfolg
HindernisProduktanpassungProzessanpassung
übernommen aus „Zebras Unite

Wieso auf einmal Zebras?

Der Begriff der Zebras für die Art Startups, denen eine gesellschaftliche Wirkung wichtiger ist als rasantes Wachstum, wurde durch die vier Gründerinnen Scholz, Zepeda, Brandel und Williams eingeführt. Sie nutzten den Begriff Anfang 2017 erstmals in einem Artikel auf der US-amerikanischen Publishing-Plattform Medium. Dieser Artikel setzte sich kritisch mit dem Streben nach Wachstum und Gewinn auseinander, das ein markantes Erkennungszeichen vieler Startups war.

Aber warum ausgerechnet das Bild des Zebras als Gegengewicht zum Einhorn? Ganz einfach: Zebras sind schwarz UND weiß, das heißt also profitabel UND verantwortungsbewusst. Das eine gibt es für sie nicht ohne das andere.

Ein weiterer Grund, warum die Autorinnen sich für das Zebra entschieden, war folgender: Zebras sind keine Einzelgänger, sondern Herdentiere. Ihre Ziele erreichen sie durch Zusammenarbeit statt durch Einzigartigkeit.

Ist das Zebra das bessere Einhorn?

Einhörner setzen uns Menschen immer wieder in Erstaunen. Ihre frischen Ideen und ihr Elan, mit welchem sie komplette Branchen auf den Kopf stellen, beeindrucken uns. Wir lieben die Erfolgsgeschichten ihrer Gründer:innen, die binnen kurzer Zeit Ruhm und Reichtum erlangt haben. Bestimmt nehmen viele von uns sie sich zum Vorbild und hegen den Traum, ein eigenes Einhorn-Startup zu gründen.

Natürlich können die Einhörner inspirieren und auch einen Ansporn darstellen. Trotzdem muss man sich stets bewusst sein, dass es tatsächlich nur sehr wenige Gründer:innen schaffen, in den Olymp der Gründungsszene aufzusteigen. Nur eine sehr kleine Zahl an jungen Unternehmen wird mit aberwitziger Geschwindigkeit die Milliardenmarke knacken. Aber das heißt noch lange nicht automatisch, dass alle anderen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, scheitern.

Die Zebra-Bewegung hinterfragt die Vorbildtauglichkeit der Einhörner

Sie kritisieren den Hype um die behuften Fabelwesen, indem sie sagen, viele Startups seien so extrem profitgesteuert, dass sie menschliche Bedürfnisse sowie den sich verschlechternden Zustand unseres Planeten nicht beachteten. Klima, Gerechtigkeit, Umwelt? Pustekuchen. Solche Werte seien für die Einhörner unbedeutend. Und komplett an den Haaren herbeigezogen ist diese Kritik sicher nicht. Unternehmen wie Airbnb, UBER oder Flixbus verbindet man wohl eher weniger mit einer sozialen Ader in Verbindung bringen. Die Auswirkungen ihrer Geschäftsmodelle auf die Gesellschaft ( beispielsweise Arbeitsbedingungen oder Mieten) sind nicht umsonst umstritten und oft diskutiert.

Aber es geht hier nicht um die Kategorisierung in „besser“ oder „schlechter“. Denn die Überflieger, die in kürzester Zeit einen sehr hohen Marktwert erzielen, sind nicht zwingend direkt auch moralisch unterlegen. Wir richten unseren Blick viel lieber auf einen anderen Aspekt: Das große „Problem“ in Bezug auf die Einhörner ist nämlich, dass sie alle so dermaßen in ihren Bann ziehen, dass die vielen Zebras um sie herum im toten Winkel landen. Dementsprechend schwierig ist es für die Zebra-Startups, Kapital, Ansehen und auch Unterstützung zu erhalten, so wie es ihnen zustünde. Und das einfach nur, weil sie in Sachen Anerkennung weit hinter den Einhörnern liegen. Sie werden Maßstäben nicht gerecht, die für sie eigentlich völlig irrelevant sind.

Das Ziel der Zebra-Fangemeinde weltweit ist also, diese Ungerechtigkeit und das Ungleichgewicht aufzuheben und eine Balance zu finden.

Zebra oder Einhorn – was bist du?

Wäre das hier ein Persönlichkeitstest à la „Einhorn oder Zebra?“, würden wir dir nun in etwa folgende Fragen stellen:
  • Du kannst dich gut durchsetzen und gibst dich nur mit dem ersten Platz zufrieden (=Einhorn)? Oder: Du liebst Teamwork und setzt auf Kooperation (Zebra)?
  • Dein Ziel ist das schnelle Geld (=Einhorn)? Oder: Dein Ziel ist es, deine Ideen zu verwirklichen (=Zebra)?
  • Deine Konkurrenz willst du schnell weit hinter dir lassen (=Einhorn)? Oder: Zusammen mit anderen möchtest du die Welt ein kleines bisschen verbessern (=Zebra)?

Meistens sind Tests in diesem Stil recht schablonenartig und stark vereinfacht. Aber trotzdem können sie dich dazu bringen, dich mit deinen Tendenzen und Motiven zu beschäftigen bevor du gründest. Denn es hängt natürlich schwer von deiner Persönlichkeit ab, welche Unternehmensart du besser gründen solltest. Stell dir doch zum Beispiel nur mal Elon Musk als Betreiber eines kleine Unverpackt-Ladens in einer Kleinstadt vor – schwierig, oder?

Aber für diese Einsicht alleine wäre die Bewegung der Zebra-Startups jetzt noch nicht nötig gewesen. Vielmehr liegt ihr Verdienst darin, dass sie mehr Aufmerksamkeit für eine Form von Unternehmen verschafft haben, die bislang bei Investor:innen und generell der Öffentlichkeit eher unter dem Radar geflogen sind. Zebra-Startups besinnen sich positiv auf ihre besonderen Stärken und haben somit ein etwas leichteres Spiel bei der Suche nach Unterstützenden und Geldgebenden.

Welche Geschäftsideen passen zu Zebra-Startups?

Für die Gründung von Zebra-Startups eignen sich grundsätzlich eigentlich alle Wirtschaftsbereiche. Aber natürlich gibt es Branchen, die besonders gut geeignet sind und in denen sich bereits einige Zebras tummeln.

Hierzu gehört zum Beispiel der Agrar- und Ernährungssektor. Immerhin verursachen die Haushalte in unserem Land durchschnittlich 4,4 t CO2 nur für den Sektor Ernährung. Und weltweit verantwortet allein die Landwirtschaft 14 % der globalen CO2-Emissionen. Aber parallel dazu wächst das Bewusstsein der Verbrauchenden für nachhaltige Ernährung seit Jahren. Das heißt also es gibt hier viele Hebel, die verantwortungsbewusste Gründer:innen ziehen könnten. Das Spektrum der möglichen Geschäftsideen reicht von der Herstellung essbaren Einweggeschirrs über die Food-Kooperative bis hin zur Vermarktung veganer Fertiggerichte.

Auch die Bereiche Wohnen, Mobilität, Textilien oder Bildung werden immer öfter von Zebras besiedelt.

Für die Gründung von Zebra-Startups eignen sich fast alle Branchen.
Viele Geschäftsideen eignen sich für Zebra-Startups. Besonders im Bereich Ernährung
und Landwirtschaft trifft man viele von ihnen an.

Unser Fazit

Ein profitables Geschäftsmodell und gesellschaftliche Verantwortung schließen sich nicht gegenseitig aus, das haben in den letzten Jahren immer mehr Gründer:innen verstanden. Sie setzen nicht auf rasantes Wachstum, sondern auf nachhaltiges Wirtschaften. Somit sind sie für viele VC-Geber recht uninteressant. Gegenüber ihren profitorientierten Artverwandten, den Einhörnern, haben sie es deutlich schwerer, an Unterstützung sowie Kapital zu gelangen. Sie haben sich unter dem Gegenbegriff „Zebra“ zusammengetan, um diese Missstände aus der Welt zu schaffen und sozialen und ökologischen Kriterien in der Gründerszene einen Aufschwung zu verpassen.

Wer bereits eine Geschäftsidee hat, sollte diese vielleicht unter ökologischen und / oder sozialen Kriterien überdenken. Man könnte überlegen, wie sich betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele miteinander vereinen ließen. Ist noch keine Geschäftsidee in Aussicht, wäre es beispielsweise wert zu überlegen und die Augen offenzuhalten, welche gesellschaftlichen Probleme in der heutigen Zeit noch nicht oder zumindest nicht ausreichend gut gelöst sind.

Wie können wir helfen?

Fühlst du dich durch die Zebra-Startups motiviert und inspiriert? Melde dich gerne zum kostenfreien Erstgespräch an, gemeinsam finden wir heraus ob und wie wir dich unterstützen können.

Wir freuen uns darauf, dich kennenzulernen!

Dein Team von start!up consulting

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