Liquidität verstehen und messen

Liquidität – Was ist Liquidität und wie misst man sie?

Das Wichtigste im Überblick

Definition: Was ist Liquidität?

Liquidität (von lat.: liquidus = flüssig) steht für die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Das bedeutet, dass liquide Unternehmen fällige Zahlungen innerhalb festgelegter Fristen begleichen können. Zahlungsverpflichtungen können bspw. folgende sein: Miet- und Nebenkosten, Gehälter der Mitarbeitenden, offene Verbindlichkeiten.

Wenn die Liquidität eines Unternehmens nicht ausreichend gegeben ist, kann es schließlich Rechnungen entweder verspätet oder gar nicht mehr begleichen. Daraus resultiert eine Zahlungsunfähigkeit und somit im schlimmsten Fall eine Insolvenz. Deswegen ist es enorm wichtig, genau zu planen und die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Begriffserklärungen

Zunächst wollen wir jedoch kurz die (mehrmals) auftauchenden Begrifflichkeiten erläutern, um für ein besseres Verständnis zu sorgen.
  • liquide Mittel: Bank- und Kassenbestand, Schecks, diskontfähiger Wechsel
  • Verbindlichkeiten: Verpflichtung gegenüber Lieferant:innen oder Kund:innen (Geld, Sachgüter, Leistungen)
  • kurzfristige Verbindlichkeiten: Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr
  • Forderungen: Anspruch gegenüber Lieferant:innen oder Kund:innen (Geld, Sachgüter, Leistungen)
  • kurzfristige Forderungen: Forderungen mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr
  • Vorräte: Bilanzposition Vorräte (z.B. Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse, Waren, Anzahlungen)
  • Umlaufvermögen: Zusammenfassung von liquiden Mitteln, Vorräten und Forderungen
  • Auszahlungen: Abgang liquider Mittel, also aus Kassenbeständen sowie jederzeit verfügbaren Bankguthaben. Eine Auszahlung mindert die verfügbaren Barmittel des Unternehmens. Beispiel: Das Begleichen einer Lieferantenrechnung (bspw. via Überweisung).
  • Einzahlungen: Zugang liquider Mittel (zu Kassenbeständen oder jederzeit verfügbaren Bankguthaben). Eine Einzahlung erhöht die verfügbaren Barmittel des Unternehmens. Beispiel: Ein Kunde bezahlt eine Rechnung.

Liquiditätsgrade zur Berechnung der Liquidität

Die Liquidität teilt man in drei verschiedene Grade ein. Jeder dieser Liquiditätsgrade widmet sich unterschiedlichen Kennzahlen des Unternehmens. Aus der Betrachtung dieser Kennzahlen lassen sich dann Rückschlüsse auf die Zahlungsfähigkeit schließen.

Die Berechnung der Liquidität

Die drei Grade der Liquidität lassen sich wie folgt berechnen:

So berechnet man die Liquidität von Unternehmen
Liquidität berechnen mithilfe der Liquiditätsgrade
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Liquidität 1. Grades

Hierzu setzt du die liquiden Mittel (zum Beispiel den Kassenbestand) ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. So erhältst du schnell einen Überblick, ob du kurzfristig anfallende Zahlungen allein mit den liquiden Mitteln vornehmen kannst.

Wenn die Liquidität zum Betrachtungszeitpunkt bei über 100% liegt, heißt das, dass alle kurzfristigen Verbindlichkeiten alleine durch die flüssigen Mittel beglichen werden. Aber die Liquidität 1. Grades muss nicht unbedingt höher als 100 % sein, da kurzfristige Verbindlichkeiten auch noch mittels Forderungen und Vorräten gedeckt werden können. Deswegen beträgt ein normaler Wert eher 10 bis 30%.

Liquidität 2. Grades

Zusätzlich zur Berechnung des ersten Grades kommen hier noch Wertpapiere sowie kurzfristige Forderungen hinzu. Liquide Mittel, Wertpapiere und kurzfristige Forderungen werden dann wieder ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Das heißt also, mit der Liquidität 2. Grades wird überprüft, in welchem Umfang flüssige Mittel und Forderungen die kurzfristigen Verbindlichkeiten decken.

Das Ergebnis sollte sich am besten zwischen 100 und 120% bewegen. Sollte der Wert allerdings unter 100% liegen, könnte das zum Beispiel einen Hinweis auf zu hohe Lagerbestände liefern. Das kann beispielsweise aus mangelndem Absatz resultieren und letztendlich die Zahlungsfähigkeit gefährden.

Liquidität 3. Grades

Die Liquidität 3. Grades beinhaltet als Erweiterung zu den liquiden Mitteln und den kurzfristigen Forderungen nun noch die Vorräte; somit wird nun also das komplette Umlaufvermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt.

Hier sollte man einen Wert von mindestens 120% erreichen. Ist der Wert niedriger, kann es schließlich Schwierigkeiten in den Bereichen Preispolitik und Absatz geben. Ist der Wert jedoch um einiges höher als 120%, könnte das ein Anzeichen für zu viel Ware im Lager sein, die das Kapital bindet.

Mangelnde Liquidität – Was sind die Folgen?

Wenn ein Unternehmen in die unangenehme Lage kommt, Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können aufgrund fehlender Zahlungsmittel, bleibt das natürlich nicht ohne Folgen. So wird zum Beispiel oft die Kreditlinie überzogen, Umsatzsteuer kann nicht abgeführt werden, Skontomöglichkeiten können nicht genutzt werden und auch die pünktliche Zahlung der Gehälter kann nicht mehr erledigt werden.

Darüber hinaus muss das Unternehmen alle Vermögensgegenstände veräußern. Allerdings hat das dann zur Folge, dass die Bonität stetig sinkt, was sich wiederum negativ auf die zukünftige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens auswirkt. Es ergibt sich also eine Abwärtsspirale, die für viele Unternehmen in einer endgültigen Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz) endet.

Zu hohe Liquidität – Was sind die Folgen?

Ebenso wie die mangelnde kann auch eine zu hohe Liquidität schlecht fürs Unternehmen sein. Zwar sind die Folgen bei Weitem nicht so schwerwiegend, jedoch sollten Unternehmer:innen sie trotzdem nicht außer Acht lassen.

Wenn das Unternehmen also Zahlungsmittel im Überfluss zu verzeichnen hat aufgrund hoher Rücklagen und zeitgleich keinerlei Investitionen tätigt, kann das zu Einbußen in der Rentabilität führen. Hintergrund ist der, dass das Unternehmen somit verzichtet auf übliche Verzinsungen, was wiederum einen Wertverfall des Geldes durch Inflation mit sich bringt.

Liquidität sicherstellen

Um einer liquiden „Schieflage“ (mangelnde oder zu hohe Liquidität) vorzubeugen, können Unternehmen verschiedene Maßnahmen ergreifen. Diese können folgende sein:
  • Herabsetzen von Zahlungszielen (für Kund:innen): Ein strengeres Mahnwesen führt in der Regel schneller zu tatsächlichen Zahlungseingängen.
  • Reduzierung der Lagerbestände: Freisetzung von Kapital für mögliche Zahlungsverpflichtungen.
  • Ausgabe von Aktien bzw. Verkauf von Geschäftsanteilen: Bietet sich für größere Unternehmen an. Führt zu einer kurzfristigen Steigerung der Liquidität.
Sicherstellung der Liquidität von Unternehmen
So können Unternehmen die Liquidität sicherstellen
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Exkurs: Die Liquiditätsplanung im Businessplan

Der Businessplan ist ein schriftliches Konzept, das unter anderem die Umsetzung einer Geschäftsidee beschreibt. Er ist Strategie- und Handlungskonzept für Gründer:innen und auch Unternehmer:innen. Der Finanzplan „übersetzt“ den schriftlichen Teil in Zahlen.

Eine solide Finanzplanung muss auch eine Liquiditätsplanung enthalten. Ziel hiervon ist immer die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Aber die bloße Erstellung einer Liquiditätsplanung reicht auf Dauer nicht aus. Sie muss kontinuierlich aktualisiert werden und auch regelmäßige Soll-Ist-Abgleiche sollten vorgenommen werden.

Unser Fazit

Die Liquidität ist ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg. Und somit ist deren Steuerung (also die Liquiditätsplanung) eine wichtige Grundvoraussetzung. Sowohl als Unternehmer:in als auch als Existenzgründer:in solltest du immer genügend Kapital bereithalten, um außerplanmäßige Zahlungen tätigen zu können. Tust du das nicht, kannst du schnell in Zahlungsschwierigkeiten geraten, die schlimmstenfalls in einer Insolvenz enden. Achte nur auf ein gesundes Maß zwischen Investitionen und Rücklagen, um dich gegen Rentabilitätseinbußen abzusichern.

Wie können wir helfen?

Planst du eine Existenzgründung und benötigst hierfür im Rahmen deines Businessplans eine ausgereifte Finanzplanung inklusive Liquiditätsplanung? Oder bist du bereits selbstständig, aber hast die Planung bisher vielleicht etwas vernachlässigt? Melde dich gerne zum kostenfreien Erstgespräch an, gemeinsam finden wir heraus ob und wie wir dir helfen können.

Wir freuen uns darauf, dich kennenzulernen!

Dein Team von start!up consulting

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Investition – Was ist das und welche Arten gibt es?

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